Wollte - so wie Peter Filzmaier und Barbara Stöckl - einst Sportreporter werden, und ist nun überempfindlich bei Phrasen und Floskeln: "extra"-Beilagenchef Gerald Schmickl.
Wollte - so wie Peter Filzmaier und Barbara Stöckl - einst Sportreporter werden, und ist nun überempfindlich bei Phrasen und Floskeln: "extra"-Beilagenchef Gerald Schmickl.

Seit kurzem weiß ich, was mich mit der TV-Moderatorin Barbara Stöckl und dem Politik-Analytiker Peter Filzmaier verbindet: Wir alle wollten in unserer Jugend Sportreporter werden. Stöckl hat es zuletzt in einer ihrer Sendungen verraten, in welcher Filzmaier (gemeinsam mit Toni Innauer) zu Gast war. Der Politikwissenschafter und "ZiB"-Dauergast hat als späte Folge seines einstigen Jugendtraums ein Buch mit Sportgeschichten im Brandstätter-Verlag veröffentlicht ("Atemlos", welcher Titel nicht nur auf sein bekanntes Sprechtempo, sondern auch auf seine ausdauernde Laufleidenschaft anspielt).

Wie gesagt, war Sportjournalismus auch mein sehnlichster Berufswunsch. Ich habe bereits früh damit begonnen, Sportberichte privat zu verfassen, bin bei diversen Übertragungen vor dem Fernseher gesessen, habe oft - bei abgestelltem Ton - selbst mitkommentiert und danach Berichte und Glossen in ein Notizbuch oder auf lose Zettel geschrieben. Das Archiv meiner gesammelten - zuerst handschriftlich, dann mit Reiseschreibmaschine verfassten - Texte ist fast einen halben Meter hoch. ("G. S. berichtet aus Montreal", " . . . Wimbledon" oder " . . . vom Kitzbüheler Hahnenkammrennen", schrieb ich kühn phantasierend in die Autorenzeile, obwohl ich das Wohnzimmer praktisch nie verlassen habe.)

Forciertes Rede- und Schreibtempo: Das neue Buch von Sport-Aficionado Peter Filzmaier.
Forciertes Rede- und Schreibtempo: Das neue Buch von Sport-Aficionado Peter Filzmaier.

Auch wenn ich später kein Sportreporter geworden bin - abgesehen von ein paar einschlägigen Essays und Glossen -, hat sich in mir doch eine empathische Nähe zu dieser Profession erhalten. Deshalb vermag ich auch nicht in den lautstarken Chor jener einzustimmen, welche Sportreporter generell, und die österreichischen speziell, für ihre angebliche Inkompetenz verurteilen. (Auch wenn eine solche gelegentlich, wie bei allen anderen Berufen auch, zumal jenen in der medialen Öffentlichkeit, unüberhörbar ist.)

Nur bei bestimmten, immer wiederkehrenden Floskeln bin ich (über)empfindlich. Denn eine Folge des jugendlichen Berufswunsches ist es ja, dass man - wie Peter Filzmaier so schön beschreibt (der, wenn er nicht die österreichische Innenpolitik analysiert, hauptsächlich TV-Sport konsumiert) - auch weiterhin viele Stunden vor der Glotze verbringt und Sportübertragungen anschaut; zur Zeit jahreszeitgemäß hauptsächlich alpinen Skisport (so wenig erfolgreich der für Österreich in dieser Saison bisher auch verläuft). Und da ist eine Redewendung mittlerweile so endemisch geworden, dass ihre Blödsinnigkeit kaum mehr jemandem auffällt. Es ist jene vom "Gas geben", die von Reportern und Skisportlern gleichermaßen ständig verwendet wird (gerne auch in der "Vollgas"-Variante), sodass sich bereits eine große rhetorische Abgaswolke über vielen Skipisten ausgebreitet hat.

Im Sinne einer sprachlichen Ökologisierung wäre es höchste Zeit für einen metaphorischen Klimawandel. Es ist nicht untypisch für unser Verbrennungszeitalter, dass für den Vorgang menschlicher Beschleunigung ausschließlich der automobile Terminus verwendet wird, als wäre jener quasi naturgegeben. Höhere Ironie ist freilich, dass jene Skisportler, die die Vollgas-Metapher besonders gerne bemühen, auf der Piste dann oftmals auf der Bremse stehen.