In unserem Haushalt leben zwar keine Kröten oder so, aber dafür haben unzählige Ladekabel, hervorgerufen durch die Artenvielfalt der mobilen Telefonie, ihr geschütztes Habitat gefunden. Die Zahl der Ladekabel lässt sich vor allem deshalb kaum schätzen, weil sie ständig mehr und dann gleich wieder viel weniger werden. Die allermeisten Ladekabel sind Einzelkinder. Aber sogar wenn sie aus dem gleichen Elternhaus kommen, sehen sie im Regelfall doch vollkommen anders aus. Ab und zu kann es vorkommen, dass es Zwillinge oder sogar Drillinge unter den Ladekabeln gibt.
In solchen Sonderfällen schreibt meine Frau "Helga" auf ihre Kabel drauf. Sie möchte Verwechslungen von vornherein ausschließen. Auf die anderen Ladekabel schreibt sie nichts. Das sind dann meine. Verwechslungen kommen trotzdem vor. Und Verluste auch. Meistens verschwinden alle Ladekabel der Reihe nach, bis am Ende nur noch jene überbleiben, auf denen "Helga" steht. Wie das sein kann? Keine Ahnung. Die moderne Wissenschaft scheitert schon an der Waschmaschine, die meine Socken frisst. Das können nicht einmal künstliche Intelligenzen klären.
Weil viele Ladekabel bleiben auch da. Die machen es sich dann im Kasten bei den alten Computern und bei den
kaputten Telefonen gemütlich, genauso unbrauchbar wie diese Teile genießen sie einen Ruhestand, von dem unsereins nur träumen kann. Sie müssten wissen, wo all die gebrauchsfähigen Ladekabel hin verschwinden, wenn die keine Lust mehr zum Arbeiten haben. Aber schon mal versucht, ein altes Ladekabel zum Sprechen zu bringen?
Schon wieder ist mein Handy ohne Strom. Weit und breit gibt es nur ein Kabel, das passt. Auf dem steht "Helga" drauf. Ich habe kurz überlegt. Dann habe ich "Peter" draufgeschrieben. Mal schauen, was passiert. Radikale Lösungen sind gefragt.