Das Land ist erschüttert. In Österreich finden sich Menschen im Internet zusammen, die dem Vizekanzler vorwerfen, in einem amerikanischen Schnellrestaurant zu essen, und der Justizministerin, dass sie daher ist, woher sie ist. Anders ist die Aufregung in Uruguay. Dort diskutiert man gerade, ob es wirklich lustig ist, wenn der eine Millionär dem anderen Millionär per Hubschrauber ein totes Schwein in den Swimmingpool wirft.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Klimaneutral und vegan ist es eher nicht. In Spanien ist man dagegen verwundert, dass Antonio Banderas vom US-Kino-Klatsch-Magazin "Variety" als "coloured" eingestuft wird. Und in Deutschland wieder fragt man sich gerade, ob sich Kommunalpolitiker nach anhaltenden Morddrohungen selbst Waffen zulegen dürfen. Das wollte nämlich ein SPD-Politiker aus Nordrhein-Westfalen tun. Ein CDU-Kollege von ihm dagegen hat da nicht lange gefragt, sondern am 30. Dezember gleich einem 20-Jährigen durch die Schulter geschossen. Nicht, weil der ihn bedroht hat, sondern weil er einfach zu laut war. Die politische Rechte hat sichtlich bei der Anwendung von Waffengewalt nicht so viel Skrupel wie die Linke.

Ganz andere Sorgen hat man dagegen in Tirol. Nicht weil der Dornauer wieder mit seinem Gewehr herumfährt, sondern wegen der Krippe. Denn neben zahlreichen Grippefällen gibt es in Tirol auch einen besonderen Krippenfall. Die Geschäftsführerin des "Verbandes der Krippenfreunde Österreichs" hat über Jahre hinweg nämlich eine knappe halbe Million Euro veruntreut. Wer diesen sehr wichtigen Verband nicht kennt, dem sei gesagt, dass der Verband der Krippenfreunde Österreichs sich zur Aufgabe gesetzt hat, "die Weihnachts- und Fastenkrippen zu erhalten und den Krippengedanken zu verbreiten". Nun hat die Geschäftsführerin auf Verbandskosten Urlaube in Prag, Dubai, London und Rhodos gemacht, also den "Krippengedanken" auf ihrer ganz eigene Art verbreitet. Vor allem in Dubai dürfte sie damit sandiges Neuland betreten haben. Ob sie dort eine echte Krippewelle ausgelöst hat, kann man heute noch nicht sagen.

Dem Verband fehlt jedenfalls jetzt so viel Geld, dass man fast schon von einem krippalen Defekt sprechen könnte. Der Verband der Krippenfreunde Tirols ist jedenfalls aus dem Dachverband bereits ausgeschieden. Vielleicht, um sich gegen eine Ansteckung zu schützen. Krippenimpfung ist ja noch unbekannt. Viele fragen sich jetzt, wie konnte diese Frau so unbemerkt derart viel Geld beiseiteschaffen. Viel interessanter ist es aber, wie es sein kann, dass ein Verband, der sich hauptsächlich mit Holzschnitzereien beschäftigt, eine halbe Million auf der hohen Kante hat? Sind Krippen so wertvoll? Sind Krippen die neuen Bitcoins? Was ist mehr wert: Ochs, Esel oder Josef? Acht Schafe gegen einen Weisen aus dem Morgenland? Oder wie viele Engel sind ein Christkind? Sind Krippen das neue Öl? Und wo werden die gehandelt?

Vielleicht heute noch in Aachen, wo gerade der 21. Weltkrippenkongress stattfindet.

Vielleicht diskutiert man dort die Fragen, ob Balthasar ein Farbiger ist, ob Maria vor der Entbindung noch einen Burger essen war oder ob man Krippen anderen Mitgliedern ins Pool werfen darf. Und natürlich ab welcher Summe man als Krippenfreund zur Waffe greifen muss. Halleluja!