Tu felix Austria! Während in Großbritannien die Royals ihre Variante des Brexits zelebrieren, absolviert bei uns der Urenkel von Kaiser Karl I. seinen Grundwehrdienst: im ABC-Abwehrzentrum in Korneuburg. "Den Bundesadler trage ich mit Stolz", sagte Ferdinand Zvonimir Habsburg-Lothringen gegenüber der Gratiszeitung "Heute", und statt der Kaiserhymne singt er "selbstverständlich" die Bundeshymne. Auch an das Acht-Bett-Zimmer und an den Umgangston beim Heer habe er sich gewöhnt. Das Essen sei "überraschend gut", einziges Manko, so der Kaiser-Urenkel mit einem Lächeln: "Es sollte mehr Kaiserschmarren auf dem Menüplan geben."

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Das ist eine Anspielung auf eine Legende, die sich rund um dieses typische Gericht der Wiener Küche rankt. Als ein Hofküchen-Pâtissier für die linienbewusste Kaiserin Elisabeth eine neue Komposition aus Palatschinkenteig und Zwetschkenröster kreierte, habe er bei der Kaiserin nicht punkten können. Darauf sei Kaiser Franz Joseph eingesprungen und habe die Portion seiner Gemahlin verspeist - mit den Worten: "Na geb’ er mir halt den Schmarren her, den unser Leopold da wieder z’sammen’kocht hat."

In einer Variante wurde das Gericht bereits anlässlich der Hochzeit von Franz Joseph und Elisabeth kreiert und der neuen Kaiserin gewidmet. Die Köche hätten es zunächst sogar "Kaiserinschmarrn" getauft.

Auch um die Kaisersemmel ranken sich Legenden. Dass das Gebäck mit den fünf gebogenen Einkerbungen auf Kaiser Friedrich III. zurückgehen soll, ist wenig wahrscheinlich. Nach einer anderen Version soll ein Bäcker namens Kayser um 1730 diese Semmel erfunden haben. Jedenfalls ist sie auf einem Gemälde zu sehen, das eine Hoftafel um ca. 1760 zeigt.

Sprachwissenschafter sehen diese Legenden kritisch. Sie meinen, dass "Kaiser-" immer dann vorangestellt wird, wenn es sich um etwas Besonderes handelt. Kaiserschnitzel ist ein Rahmschnitzel aus der Kalbsnuss, das mit Petersil sowie kleingehackten Sardellen, Kapern und Zitronensaft abgeschmeckt wird. Kaiserfleisch ist ein Selchfleisch mit besonders saftiger Schwarte. Als Kaisergspritzten bezeichnet man einen Gspritzten mit Wein oder Sekt und einem Schuss Holundersirup. Eine Kaisermelange ist ein großer Mocca, der mit Eigelb, Honig und Weinbrand vermischt wird.

In der Zoologie wird "Kaiser-" dazu verwendet, um damit das größte oder schönste Tier einer Art zu bezeichnen: Der Kaiseradler ist wesentlich größer als der Steinadler, der Kaisergranat, fälschlich auch als Kaiserhummer bezeichnet, kann eine Körperlänge von über 20 Zentimeter erreichen und gilt als Delikatesse.

Aber im Großen und Ganzen haben wir es mit einem österreichischen Wortbildungsmuster zu tun. Ein direkter Bezug zu den Habsburgern dürfte nur bei dem Wort Kaiserwetter bestehen. Franz Joseph feierte am 18. August Geburtstag - da gab es meist Sonnenschein. Der Kaiser-Urenkel soll übrigens während der Grundausbildung keinerlei Privilegien genießen. Später, im Heeressportzentrum, wird er für sein DTM-Renntraining freigestellt werden. Seine Leidenschaft ist die deutsche Rennserie mit Tourenwagen, die Saison 2019 schloss er jedoch als Letzter ab.