Dass die deutsche Bundesregierung einen Waldbeauftragten hat, hätte ich natürlich ahnen können. Denn wo sonst auf der Welt gibt es eine innigere Verbindung zwischen Volksseele und Baumbestand als hierzulande, in der Heimat von Romantik und Rindenmulch? Überraschender ist eher, dass dieser Beauftragte nicht Peter Wohlleben heißt (das ist der, der das geheime Leben der Bäume so gut kennt), sondern Cajus Julius Caesar.

Ja, Sie haben richtig gelesen, und dieser CDU-Politiker aus Niedersachsen will laut Wikipedia auch nicht grundsätzlich ausschließen, vom gleichnamigen römischen Staatsmann abzustammen. Wobei das ja tatsächlich naheliegt, wusste doch schon der antike Feldherr in seinem "De bello Gallico" von den finsteren, undurchdringlichen Wäldern östlich des Rheins zu berichten.

Der Waldbeauftragte Caesar jedenfalls möchte den Menschen die Bedeutung des deutschen Waldes bewusster machen. Und wie ließe sich das besser bewerkstelligen als dadurch, die Leute einfach öfter in den Wald zu schicken? Da aber erstens heute kaum mehr jemand Zeit für endlose Waldspaziergänge hat und zweitens schlichtes Durch-den-Wald-Stapfen in unserer Erlebnisgesellschaft als eher öde und spaßfrei gilt, sollen es, so seine jüngste Idee, die Krankenkassen richten.

Waldausflüge unter Anleitung von Waldpädagogen sollen sie bezahlen, Waldbaden auf Rezept sozusagen, denn wer auf die richtige Weise in Baumkronen blickt und frische Waldluft einatmet, sitzt anschließend deutlich entspannter im Büromief vor dem Bildschirm. Der deutsche Wald als ein einziger riesiger Kurort, an dem wir endlich all unsere körperlichen und seelischen Zivilisationsbeschwerden auf Kassenkosten auskurieren - man fragt sich, warum auf diese tolle Idee nicht schon längst jemand gekommen ist!

Nun geht es dem deutschen Wald zurzeit nicht besonders gut, und vielleicht darf man hinter Caesars Vorschlag eher eine zynische Strategie vermuten: eine Art Schocktherapie, bei der die unmittelbare Begegnung mit Borkenkäfern und abgestorbenen Fichten eine Ahnung vom Klimawandel vermitteln soll. Oder glaubt er ernsthaft, ein kranker Wald könne trotz allem seine heilende Kraft beim Menschen entfalten?

Ich selbst jedenfalls habe mir fürs neue Jahr deutlich mehr Wald verordnet und den Vorsatz sogleich in die Tat umgesetzt - mit langen Spaziergängen auf von Harvestern zerstörten Waldwegen, über kahlrasierte Höhen und durch mausetote Monokulturen. Nein, ein belebender Anblick war das nicht, und jetzt hoffe ich, dass die Krankenkasse wenigstens die Kosten für die Behandlung meiner Walddepression übernimmt.