Seit Tagen leide ich unter Panikattacken. Wegen etwas, das in der Zeitung gestanden ist. Und verfolgt fühle ich mich außerdem. Von diesem Chinesen womöglich? Dieser neue Killervirus soll doch einer sein, ein Chinese, oder? Noch dazu bewegt sich der angeblich hüpfend fort ("Virus breitet sich sprunghaft aus"). Das heißt wohl, er könnte mich jederzeit von irgendwoher anspringen. Ja, gut, der ist vermutlich auch hinter mir her. Fürchten tu ich mich aber trotzdem mehr davor, ausgeraubt zu werden. Beim Müllraustragen.

"3.500 Strafe für Pizza-Karton im Altpapier" - na bumm! Die Stadt Wien will nämlich härter gegen "Müllsünder" vorgehen. Und nicht nur gegen die, die ihren Abfall mit Absicht falsch trennen. Zwar bestelle ich mir eh nie eine Pizza, höchstens in der Pizzeria (zum Hier-Essen, zivilisiert auf einem Teller), und daheim mach ich sie immer selbst (ich taue sie auf), dabei fällt allerdings ebenfalls eine Kartonverpackung an. Doch weil die Tiefkühlpizza sauber in Plastik eingeschweißt ist (wahrscheinlich, damit die Schachtel drumherum nicht dreckig wird und man diese noch recyceln kann - sollten die Pizzalieferanten vielleicht genauso machen, der Umwelt zuliebe), hab ich halt gedacht, der Karton kann ruhig ins Altpapier. Müsste dort rein. Und jetzt erwarte ich jedes Mal, wenn ich den Müll rausbringe, dass plötzlich zwei Waste Watcher hinter der Tonne hervorspringen und rufen: "Müllkontrolle!!!!!!" Und wenn es an der Tür klopft, zucke ich zusammen. (Das sind bestimmt die Waste Watcher. Die machen gleich eine Razzia in meinem Mistkübel in der Küche.) Ich schneide sogar schon die Fettflecken und Kaffeeringe aus der Zeitung aus, bevor ich zum Altpapiercontainer marschiere.

Zum Glück hab ich nun auf der Seite der MA 48 das "Trenn-ABC" gefunden und mir sofort ausgedruckt (13 Seiten!). Das sollten die Schüler sowieso auswendig lernen. Ist definitiv wichtiger als "Das Lied von der Glocke". Vom Abbeizmittel über Marihuana ("Gras") und radioaktive Stoffe (Atombomben?) bis hin zu Zwergen, nein: Zweigen (hatte meine Lesebrille nicht auf), kommt da alles vor. Natürlich auch der Pizzakarton: "Pizzakarton (sauber): Altpapier, Pizzakarton (stark verschmutzt, z. B. Essensreste): Restmüll." Essensreste. Ein Pizzaeckerl? Oder reichen ein paar Brösel? Der Online-Duden definiert Essensrest so: ein "Speiserest". (Seeehr witzig.) Wiktionary ist viel ausführlicher: "das übrig gebliebene Essen nach einer Mahlzeit." Also zumindest ein Maiskörndl. Im Pizzakarton: zwei Maiskörndln. (Rest-e!) He, es gibt ein Satzbeispiel: "Die Essensreste kommen in die Biotonne." Na, sicher nicht. Essensreste: Restmüll. Okay?

Oh, Fotos gehören ebenfalls in den Restmüll. Verdammt! Auf meinem Computer kann ich sie bloß in den Papierkorb verschieben. Sprich ins Altpapier. Und was mach ich mit dem Textmarker, der beim Anstreichen der wichtigsten Punkte grad den Geist aufgegeben hat? "Lösungsmittelfrei: Restmüll, mit Lösungsmittel: Problemstoffsammelstelle, Mistplatz." Hm. Auf der Packung steht lediglich: "Sorgfältig hergestellt in China." (Und dann achtlos weggeworfen in Österreich. Eine Schande.) Schmecken tut er jedenfalls . . . bitter. Lösungsmittel, eindeutig. Wo wäre überhaupt ein Mistplatz? Ach, eh gleich unten bei den Restmülltonnen. Den Problemstift schmeiß ich einfach zum Bügelbrett, zum Christbaum und zum kaputten Sofa dazu. Passt.