Zuletzt hat sich ein Fremdenführer, der eine kreischend bunte Hose mit einem kreischend bunten Mantel und einem kreischend aus der Zeit gefallenen Zylinderhut kombinierte, ebenso optisch wie akustisch lautstark kreischend darüber echauffiert, dass am Platz vorm Schweizertor immer noch so viele Autos stehen. Da sollten überhaupt keine Autos mehr stehen, ruft der Mann einer kleinen Meute von Menschen zu, die allesamt nicken und auf die Autos schauen und Fotos von den Autos machen und vom Kaiser Franz dazwischen wohl hoffentlich auch.
Ich wollte dem Herrn mit dem Hut noch länger zuhören, weil ich mir nicht sicher war, was besser ist auf diesem historischen Platz mitten in Wien, viele Autos und viele Touristen oder keine Autos mehr, aber dafür noch mehr Touristen, darüber dachte ich nach an diesem Nachmittag auf dem Weg zum Michaelertor, wurde aber gleich zur Seite geschoben und nachhaltig bedrängt von einer weiteren Meute von Menschen, die jemand anderem nachliefen, einer Frau diesmal, die keinen Zylinderhut zum bunten Mantel kombinierte, dafür aber eine bunte Fahne in den Himmel hielt.
In solchen Momenten möchte man Kettenraucher sein. Die Angst vorm Passivrauch hält zumindest amerikanische Touristengruppen verlässlich davon ab, dich einfach so aus dem Weg zu drängen. Chinesen sind da weniger empfindlich. Und vorne beim Michaelertor lösen sich sowieso alle Grenzen auf. Vorne beim Michaelertor kommst du in jene Zone rein, die absolut nichts mit mehr mit Wien und den Wienern zu tun hat, obwohl tausende Schnappschüsse täglich das totale Gegenteil behaupten. Zumindest auf hunderten davon bin ich drauf. Das grantige Gesicht, das sich im Hintergrund durchs Bild drängt. Beliebt von New York bis Tokio, von Peking bis nach Rom. Das bin ich.
Einmal hat mich vorm Michaelertor jemand angesprochen. Eindeutig nicht von hier. Er wollte wissen, wo das Café Central ist. Wiener Kaffeehauskultur, er hätte davon gehört. Keine Ahnung, sagte ich. Ich denke, ich habe ihm einen Gefallen getan.