Comebacks sind eine heikle Angelegenheit. Kommt man zu früh wieder, fragen sich alle: "War da wer weg?", kommt man zu spät zurück, sind die alten Fans tot und die Menge ist ob des Wiedererscheinens nicht euphorisiert, sondern fragt sich schlicht: "Wer ist das bitte?"

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Am besten für die Karriere ist es natürlich, das Comeback gänzlich zu vermeiden und ständig in der Öffentlichkeit zu bleiben. Das wäre sozusagen das Modell der Rolling Stones oder das von André "I haas Franz, Du haast Franz" Heller. Das birgt natürlich eine andere Gefahr: Man geht den Menschen mit dieser Dauerpräsenz auf die Nerven (siehe: Rolling Stones oder André Heller).

Dafür hat man die Gelegenheit, ausgiebig Jünger um sich zu scharen, die aufgrund dieser gehirnwaschenden Dauerberieselung im Glauben leben, man wäre wirklich eine bedeutende Größe. So soll es ja tatsächlich Menschen geben, die meinen, die Rolling Stones wären eine gute Band oder Herr Heller ein bedeutender Künstler. Letztendlich lediglich ein Erfolg gut organisierter Öffentlichkeitsarbeit.

Wenn man aber karrieretechnisch einmal abtauchen will - oder muss - , dann sollte das Wiederkommen mit einem Knalleffekt eingeläutet werden. Zack! Bumm! Krach! Da sind wir wieder! Und das am besten kombiniert mit einem Werk, das das Wiedererscheinen aufgrund seiner Qualität auch rechtfertigt. Das Publikum soll sich denken: Wie konnten wir so lange ohne das auskommen?

Das ist in etwa die Aufgabe der Macher der "James Bond"-Reihe bei jedem Hauptdarstellerwechsel. Das Drehbuch muss stimmen, die Locations müssen verblüffen, das Bond-Girl muss faszinieren und - last but not least - der neue Bond-Darsteller muss alle Erinnerungen an den alten verblassen lassen. Blöd wäre es allerdings, wenn der alte Bond immer noch weiterdreht. Denn dann weiß keiner, wer der wahre oder echte oder gar der richtige Bond ist. Die Fangemeinde spaltet sich, die Umsätze wandern in den Keller.

Womit wir bei HC Strache und der FPÖ wären. Sagen wir mal so: Es ist, glaub ich, kein Zufall, dass "Clash of Clans" das Lieblingsspiel des ehemaligen FPÖ-Chefs ist. Sein Nachfolger in Wien mit dem schönen Namen Nepp vermutet, Strache würde in einer "Parallelwelt" leben. Ja, sicher, denkt man sich da, aber das tut er schon seit über 14 Jahren. Und ein Blick in die Sofiensäle (oder in die Sofienseele?) zeigt: Dort ist er nicht allein.

Oder wie hat es Strache selbst so schön in die ORF-Kameras gesprochen: "Eine Grund-Basis ist da." Das freut natürlich jeden Pleonasmus-Tautologen, wird aber andererseits nicht der einzige Doppler sein, der die nächsten Monate auf uns zukommt. Man darf sich jetzt schon freuen auf das Match, der "wahren" Freiheitlichen gegen die "echten" Freiheitlichen. Spalter gegen Systempartei, Spesenritter versus falsche Freunde, Verleumdungskampagne wider Realitätsverlust. Rechtsradikal oder Rechtsextrem? Das dürfte interessant werden. Sollen die Ausländer jetzt raus oder nach Hause? Und dabei ist das alles auch nur ein Remake. Und zwar aus dem 2008, Haider gegen Strache. Aber was soll der Mann auch sonst tun? Wie hat es eine Strache-Bewunderin vor seiner Rede formuliert: "Wir wollen’s net . . . der muaß!"

Na, dann noch einmal alle: I can’t get no satisfaction.