Terry Jones ist tot. Das ist traurig. Andererseits muss jetzt dieses Mitglied von Monty Python wenigstens jetzt nicht mehr mitkriegen, wie sein eigenes Land das Werk von ihm und seinen Kollegen auf unangenehme Weise paraphrasiert. Schließlich ist es immer schön, wenn die Satire die Realität nachahmt, aber nie, wenn die Realität die Satire imitiert. Nichtsdestotrotz segelt Großbritannien jetzt gerade von Europa davon, wie einst die alten, greisen Banker in ihrer "Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung" in Monty Pythons Vorfilm zu "Der Sinn des Lebens". Was bleibt einem da, als "Bye Bye Britannia" zu wünschen, am Strand des Kontinents wehmütig das Taschentuch zu zücken und zu winken? Wenig.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Vor allem, wenn man sieht, wie der neue Captain mit seinem suppennudelartigen blonden Haar sich wie ein Orang-Utan von Mast zu Mast schwingt und ständig "No ifs, no buts" vor sich in quäkt. Es bleibt traurig.

Erst recht sollte es noch härter kommen - nämlich in 11 Monaten - wenn es doch noch einen "hard Brexit" geben könnte. Denn dann - und das haben ORF-Journalisten schon vor Monaten festgestellt - dann könnte es auch für "die Liebhaber der englischen Küche" in Europa schwer werden. Gut, jetzt kann man natürlich sagen, Liebhaber der englischen Küche sind so zahlreich wie eingefleischte Fans von Karoline Edtstadler, FKK-Anhänger in der Salafisten-Moschee oder Freunde des Staus auf der Südosttangente - aber es gibt bekanntlich nichts, was es nicht gibt.

Eine Weisheit, die sich übrigens selbst empirisch falsi- oder verifziert, was sie universell anwendbar macht. Ähnlich wie: Die britische Lebensart ist in Großbritannien weltberühmt oder das goldene Wienerherz ist bei allen, die es überlebt haben, unvergesslich.

Aber zurück zur Insel der verregneten Verrückten: Natürlich werden wir sie vermissen, die alten königlichen Untertanen. Die Musik, der Pfefferminzsaucenmissbrauch, die ganzen hübschen Atomraketen, die stiff-upper-lip, die Chips mit Essig, das lauwarme Bier, die lautstarken Schreiereien im Unterhaus, Nigel Farange . . . gut, den nicht. Und selbst wenn: Herbert Kickl bedient denselben Teil unseres Reptiliengehirns, nur mit mehr alpinem Flair.

Eins ist sicher: Die Queen ist das einzige Staatsoberhaupt der Welt, in dessen Regierungszeit ein Land in die EU ein- und wieder ausgetreten ist. Die Royals denken eben in ganz anderen zeitlichen Dimensionen.

Wie wird es aber auf der Insel sein? Bleibt man streng inkontinental? Oder träumt man dann in Leeds heimlich von französischem Käse? Schwärmen pickelige Rothaarige auf den Hebriden nachts für Penelope Cruz? Oder versuchen dann gelangweilte Ladys auf ihrem Schloss in Cornwall immer wieder, sich Gmundner Keramik aus dem Internet downzuloaden? However - wie der Ire sagen würde -, schade ist, dass Terry Jones zusammen mit Monty Python keinen Film mehr machen kann. So muss man sich mit dem Ende des Vorfilms von "Der Sinn des Lebens" begnügen. Dieser bricht mitten im Hauptfilm noch einmal in die Handlung ein, um schließlich von einem herabstürzenden Wolkenkratzer der Finanzindustrie begraben zu werden. Sollte das auch Realität werden . . . gut, dass es Terry Jones nicht mehr erleben muss.