Zu den schwierigsten Aufgaben im Bereich des Technik-Journalismus, Unterabteilung Audio, Studio und HiFi, gehört es, Lautsprecher zu beurteilen. Muss man da nicht einfach genau hinhören? Ja. Aber. Es ist nun mal so, dass wir zwar äußerlich alle die gleichen Ohrwascheln tragen (okay, die des Bundeskanzlers sind größer als jene des Durchschnitts-Österreichers!) - aber unsere Hörorgane ganz unterschiedlich aufnahmefähig, empfindlich und geschult sind. Von Schnupfenepidemien ganz zu schweigen. Dass der Raum, in dem Lautsprecher platziert sind, und die Geräte, mit denen Schallplatten, CDs oder Musik-Streams gehört werden, akustisch entschieden mitspielen, ist in die Bilanz einzubeziehen.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Genug der Vorrede. Ich habe gerade zwei Boxenpärchen daheim stehen und muss eine knallharte Entscheidung treffen. Nämlich, für ein Paar Lautsprecher die Geldbörse zu zücken - und das andere Paar zum Händler zurückzuschicken. Die Fachpresse macht es sich weithin ja einfach - und vergibt Aufmerksamkeit, Sternchen und Lobeshymnen ziemlich exakt entlang des Anzeigenvolumens der Herstellerfirma und des Preisspiegels der Produkte. Je teurer, desto besser; wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. Das ist natürlich zynisch - aber den Umkehrschluss, ich müsse einfach Lautsprecher mit einem mindestens fünfstelligen Preiszettel erstehen und alle meine Ansprüche würden erfüllt, will ich als reifer Konsument nicht akzeptieren. Was uns allen vorschwebt, ist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kandidat Nummer eins ist ein fabrikneuer Lautsprecher einer wenig bekannten Marke, die ich aber seit Jahren sehr schätze: die Neat Ekstra. Der britische Hersteller tritt eher zurückhaltend auf, und man muss fast ein bisschen forschen, um auf dieses Modell zu stoßen. Der heimische Händler Longtone in Wien-Neubau - Empfehlung! - war aber so freundlich, mir die Ekstra-Würste, Pardon, -Boxen für ein paar Wochen zu überlassen. Und da stehen sie nun: monolithische schwarze Säulen auf einem eleganten Unterbau mit Spikes, die die Lautsprecher vom Boden entkoppeln. Was gleich auffällt: Ein Bändchen-Hochtöner, der für klare und dabei sanfte hochfrequente Töne zuständig ist. Derlei lässt sich bei Billig-Boxen fast nie finden. Wo aber sind die großen Bassmembranen? Nirgendwo. Es handelt sich um eine etwas exotische, isobarische Bassreflex-Konstruktion mit aufwendigen Gehäusekammern. Abgehen tut einem als Hörer nichts, im Gegenteil - ich habe die Neats schon einmal auf der letztjährigen "Klangbilder"-Messe in Wien probegehört. Und es war überzeugend. So überzeugend, dass ich die über 3500 Euro, die in der Preisliste stehen, schon oft überschlagen habe. Immerhin kann ich als Musikproduzent die Kosten für Hörwerkzeuge von der Steuer absetzen.

Um aber einen Blindtest zu machen, habe ich mir quasi die Antithese zu den prototypisch modernen, rank-schlanken, für das Digitalzeitalter gerüsteten Neat-Lautsprechern ins Haus geholt. Was? Mit welchem Ergebnis? Und einem klaren Sieger? Dranbleiben. Nächste Woche hören Sie mehr zum Thema.