Als ich von der schönen Aussicht zurückkomme, fragen mich die beiden Chinesen mit den goldenen Sonnenbrillen, was es dort oben zu sehen gibt. Eine schöne Aussicht gibt es dort oben zu sehen, sage ich, und dass der Weg steil und glatt ist und gleich noch viel steiler und noch viel glatter wird, das sage ich auch. A very slippery way, sage ich, sehr schlüpfrig der Weg da hinauf, am Hauptplatz ist es sicherer, und wie um ihnen den Sachverhalt zu beweisen, bin ich noch mitten im Satz der Länge nach hingekracht. Hätte ich Yoga gemacht, würde die Übung "Der Frosch auf der Eisplatte" heißen. Hätte ich dabei eine Trachtenlederhose angehabt, hätten die beiden mich sicher fotografiert. Aber in Hallstatt haben nicht einmal mehr die Hallstätter Trachtenlederhosen an. Reine Vorsichtsmaßnahme, kommt mir vor. Der Mann hat kein Foto von mir gemacht und die Frau hielt sich beim Lachen die Hand vor den Mund. Das sah sehr süß aus. Half mir aber freilich auch nicht auf.
Der Ausflug nach Hallstatt ist sehr beliebt unter den Herz-Reha-Patienten in Bad Ischl. Nicht so sehr wegen Hallstatt. Hauptsächlich fahren hier alle wegen der Chinesen hin. Hallstatt haben die meisten eh schon gesehen. Die Chinesen fahren wegen Hallstatt nach Hallstatt. Und zum Fotos machen. Hauptsächlich fotografieren die Chinesen sich gegenseitig in Hallstatt. Und wenn sie sich nicht gegenseitig fotografieren, dann machen sie Selfies von sich. Hallstätter fotografieren sie eher selten. Die Hallstätter schauen nicht mehr so aus, als ob sie sich gerne fotografieren lassen.
Einmal saß ein Hallstätter im Sommer im Garten vor seinem Haus und ließ den Herrgott einen guten Mann sein, erzählt man sich hier unter vorgehaltener Hand, da kam ein Chinese vorbei, machte ein Foto und drückte dem Mann ein Trinkgeld in die Hand. War natürlich ein Missverständnis. Der Chinese glaubte, der gehört dazu. Teil der Inszenierung. So wie die Ente in Disneyland. Ich weiß nicht, ob der Hallstätter das Geld genommen hat. Ich habe vergessen zu fragen.