Was darf ein Journalist schreiben, wenn er zu einem Hintergrundgespräch eingeladen wird? Es kommt drauf an. In den USA gibt es vier Stufen. "On the record" bedeutet: Alles, was der Politiker sagt, darf mit Quellenangabe, also Name, zitiert werden. "On background" bedeutet: Der Inhalt darf zitiert werden, aber der Informant muss anonym bleiben, zum Beispiel so: "Wie aus Kreisen der Regierungspartei zu erfahren war." "On deep background" bedeutet: Der Journalist darf die Information inhaltlich verwerten, aber nicht schreiben, woher sie kommt. "Off the record" heißt: Über den Inhalt darf überhaupt nicht berichtet werden, das Gespräch dient dazu, das politische Handeln zu erläutern.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

In Berlin und Brüssel gibt es ein vereinfachtes System. "Unter eins" ist gleichbedeutend mit "On the record". Bei "Unter zwei" dürfen die Informationen mit anonymisierter Quelle publiziert werden. "Unter drei" entspricht "Off the record".

In den USA und in Deutschland wurden diese Regeln von Interessenverbänden festgeschrieben, sie sind in Publizistiklehrbüchern zu finden und im Internet abrufbar. In Österreich ist das Thema erst unlängst virulent geworden, als Sebastian Kurz in einem seiner regelmäßigen Hintergrundgespräche die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft angriff.

Früher, zu Zeiten des "Medienkanzlers" Bruno Kreisky, hat es Hintergrundgespräche dieser Art nicht gegeben. Zwar setzte sich der Regierungschef hin und wieder bei Auslandreisen mit Journalisten zusammen, aber dies war informell. Sonst waren Hintergrundgespräche immer Einzelinterviews. In diesen gab es nur "On the record" und "Off the record". Im ersten Fall durfte das Band mitlaufen oder aus der Mitschrift mit Quellenangabe zitiert werden, im zweiten nicht. Aber Kreisky war dafür bekannt, dass er auch "Off the record" meist nur das sagte, was unverfänglich war und eigentlich publiziert werden sollte. Geschah dies nicht, murrte er. Manchmal lud er einen Journalisten ins Kanzleramt und aß mit ihm eine Eierspeise: eine Auszeichnung. Kreisky war auch für alle wichtigen Journalisten des Landes telefonisch erreichbar - außer er stand gerade mit einem von ihnen auf Kriegsfuß.

Bei der heutigen Flut von Zeitungen, Internetmedien, Rundfunk- und Fernsehanstalten sind die Kontakte institutionalisiert und reglementiert. Eingeladen wird schriftlich, und das sah im aktuellen Fall so aus: "Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir laden Sie herzlich zu einem Hintergrundgespräch mit Abendessen ein... Das Gespräch versteht sich als reines Off-Gespräch ohne O-Töne sowie Foto- und Filmaufnahmen." Das ist also Stufe vier nach dem US-System, Stufe drei nach dem deutschen.

Armin Wolf wies in seinem Blog darauf hin, dass der "Falter" eingeladen wurde, aber niemanden zum Abendessen in die Politische Akademie der ÖVP entsandte. Als die Kritik des Kanzlers unter Journalisten die Runde machte, fühlte sich die Zeitung nicht gebunden und entschloss sich zur Veröffentlichung. Armin Wolf meinte, den Vertrauensbruch hätten jene begangen, die anwesend waren und ausplauderten, nicht der "Falter".

Trotz des Strukturwandels: Kurz wird seine Pressearbeit überdenken müssen.