Der Autor mit bayerischem Outfit im Airport Hotel in München, von wo die Sendung "Doppelpass" ausgestrahlt wird. - © Schmickl
Der Autor mit bayerischem Outfit im Airport Hotel in München, von wo die Sendung "Doppelpass" ausgestrahlt wird. - © Schmickl

Zu meinem sonntäglichen Vormittagsvergnügen gehört die Sendung "Doppelpass" auf dem Sender Sport1. Während ich politische TV-Diskussionen kaum noch aushalte, mag ich Talk-Formate über Fußball. Da geht es, auf buchstäblich überschaubarem Feld, gleichzeitig um alles und nichts. Und da die deutsche Bundesliga interessanter ist als die österreichische (sorry!), so ist auch das Reden über Fußball bei unseren Nachbarn spannender.

Beim "Doppelpass" (jeweils von 11.00 bis 13.30 Uhr) wird von diversen Experten - (Ex-)Profis, Betreuern und Journalisten - jeder relevante Spielzug des vergangenen Tages mit deutscher Gründlichkeit reflektiert und das Geschehene, etwa ein gefallenes Tor, mit spekulativer Lust als vermeidbares Schicksal in allerlei Variationen erörtert. Damit ein gewisses sprachliches Niveau gewahrt bleibt, muss für jedes gebrauchte Klischee oder Stereotyp ein Obolus (von drei Euro) ins "Phrasenschwein" eingezahlt werden. (Kann man das bei Ski-Übertragungen im ORF bitte auch einführen!)

Moderator Thomas Helmer auf dem Weg zu seinem sonntäglichen Arbeitsplatz . . . - © Schmickl
Moderator Thomas Helmer auf dem Weg zu seinem sonntäglichen Arbeitsplatz . . . - © Schmickl

Das Ganze - und dafür sind die Deutschen ja wiederum nicht so berühmt - hat auch Humor, nicht nur der unfreiwilligen Art. Dafür sorgen manch illustre Gäste, wie etwa das Spaßkaliber Rainer Calmund oder Ex-Kicker Mario Basler (der immer mehr aussieht wie Didi Hallervorden), aber auch der Moderator: Thomas Helmer, ehemaliger Profi beim FC Bayern und Europameister mit dem deutschen Team (1996), glänzt vor allem mit Selbstironie, da es schon zum Ritual der Sendung gehört, dass Helmers einstige Qualitäten als Innenverteidiger satirisch angezweifelt werden, was er mit Nonchalance zur Kenntnis nimmt. Auch sonst macht er seine Sache gut, bringt die Diskussion in Schwung, ist aufmerksam und schlagfertig.

Wie eine solche Sendung (die bis zu einer Million Zuseher hat) im Airport Hotel Hilton in München vor Publikum abläuft, durfte ich kürzlich live miterleben. Man fährt dafür, ist man öffentlich unterwegs, mit der S-Bahn hinaus zum Flughafen, vorbei an animierenden Ortsnamen wie Englschalking, Daglfing oder Ismaning.

Die Eingangshalle des Hotels ist riesig, das Areal der darin einquartierten Talkshow allerdings kleiner, als man es aus dem Fernsehen zu kennen glaubt. Und das Interessanteste: Während man in der Sendung selbst - mit Ausnahme der beiden alternierend agierenden Co-Moderatorinnen (die aber fast nur Zuseher-Reaktionen referieren) - praktisch ausschließlich Männer sieht, wird sie außerhalb des Bildrahmens hauptsächlich von Frauen bestimmt.

Ver-rückte Perspektive: Die Diskussionsrunde der Sendung vom 9. Februar (mit u.a. Reinhold Beckmann, l., und Ex-Kicker Stefan Effenberg, 2. v. r.) aus Sicht der hinteren Zuschauerränge. - © Schmickl
Ver-rückte Perspektive: Die Diskussionsrunde der Sendung vom 9. Februar (mit u.a. Reinhold Beckmann, l., und Ex-Kicker Stefan Effenberg, 2. v. r.) aus Sicht der hinteren Zuschauerränge. - © Schmickl

Das beginnt mit den Damen, die das Publikum zu den Plätzen führen (und in weiser Voraussicht nach Fangruppen trennen), geht über Visagistinnen, Kamerafrauen bis zu einer Produktionsassistentin, die das Geschehen mit handfestem Geschick und sichtbarer Freude dirigiert: Sie gibt Einsätze für die Teilnehmer und das Publikum (Applaus!), schiebt TV-Monitore hin und her und zählt den Countdown nach Werbepausen herunter. Wäre diese patente Dame in der Position eines Mittelfeldregisseurs - die ewige deutsche Suche nach einem zentralen Spielgestalter wäre obsolet.