"Es ist mir nicht gestattet, etwas Ernsthaftes oder Wichtiges zu tun, sondern bloß zu trinken, zu lärmen, zu scherzen und Würfel zu spielen, Festkönige zu wählen, die Sklaven zu bewirten, nackt zu singen und mit Ruß bestrichen in einen kalten Brunnen getaucht zu werden."

Diese Worte legte der antike Autor Lukian von Samosata dem römischen Gott Saturnus in den Mund, zu dessen Ehren die Römer in der dunklen Jahreszeit ihre Version des modernen Faschings zelebrierten. Der aus dem Gebiet des heutigen Syrien stammende Lukian hatte sich im 2. Jahrhundert nach Christi den Ruhm eines scharfzüngigen Satirikers erworben. Gekonnt machte er sich über die sozialen Verhältnisse seiner Zeit lustig und sparte auch die religiösen Feste der Bewohner des Römischen Imperiums nicht aus.

Während viele römische Staatskulte nur in der Metropole Rom gefeiert wurden, erfreuten sich die Saturnalien auch in den Provinzen großer Beliebtheit, was nicht zuletzt auf die ausgelassene Feierstimmung zurückzuführen ist, die in jenen "närrischen Tagen" herrschte. Zwar gab es dabei auch öffentliche Zeremonien zu Ehren des Gottes, die anschließenden Festlichkeiten spielten sich dann aber zum Großteil im Kreise der Familie und Freunde ab, wobei sich im Laufe der Zeit Bräuche etablierten, die uns ziemlich bekannt vorkommen. Das wechselseitige Beschenken und der gemeinsame Genuss von Speis und Trank erinnern an heutige Weihnachtsfeiern, anderes jedoch eher an Faschingssitzungen und Karnevalsumzüge, wenngleich mit deutlich größerer sozialer Bedeutung.

Der Unterschicht boten die Saturnalien nämlich auch Gelegenheit, die Standesgrenzen der römischen Gesellschaft temporär zu durchbrechen und mit ihren Herren Rollen zu tauschen: Die stolzen Bürger setzten sich die Mützen der Sklaven und Freigelassenen (das sogenannte Pilleum) auf, während die Diener und Knechte an diesem Tag offen Kritik an ihren Herren üben durften, ohne dafür belangt zu werden. Das war für die damalige Zeit revolutionär, schließlich gab es die für uns selbstverständliche Freiheit der Rede im alten Rom nur für die privilegierte Schicht der Bürger, also jene erwachsenen Männer, die ihre Herkunft aus einer freien Familie nachweisen konnten. Selbst die Kinder waren der Willkür des pater familias ausgesetzt und konnten die Saturnalien dazu nützen, dem Vater einmal gehörig die Meinung zu sagen.

Dass zudem das verpönte bzw. teils verbotene Würfelspiel gepflegt wurde, passte nur folgerichtig zu den "ver-rückten" Verhältnissen jener Tage, in denen die Bewohner des Imperium Romanum ihren oft beschwerlichen Alltag hinter sich ließen und jeder sich als kleiner König fühlen durfte.