Hab ich’s doch gewusst, dass dieses Virus gefährlicher ist, als man uns sagt. Jetzt zeigen sogar schon Nichtinfizierte Symptome. Meine Corona-Erkrankung unlängst war vielleicht wirklich bloß ein harmloser Schnupfen, aber umso besser passe ich seither auf, dass ich mich nicht noch einmal anstecke. Oder ist man immun, wenn man’s einmal fast gehabt hat? Jedenfalls halte ich immer mindestens eine Armlänge Abstand zu China. Und zu jedem, der auch nur im Entferntesten wie ein Chinese ausschaut oder auch nur im Entferntesten jemandem ähnlich sieht, der ein Chinese sein könnte. (Nicht, dass ich ständig mit ausgestrecktem Arm herumlaufen würde. Sonst zeigt man mich noch wegen Wiederbetätigung an.)

Das war allerdings offenbar nicht genug. Denn trotzdem leide ich, nein, nicht an Fieber, Husten und Atemnot, sondern vielmehr an einem Symptom, das vermutlich meldepflichtig ist (beim Anti-Rassismus-Verein ZARA): Xenophobie. ("Xeno", ist das das griechische Wort für "Chinese"?) Und daran wird selbst der neue geografisch und ethnisch neutrale Name nix ändern, den die WHO dem Virus gegeben hat. Die WHO? Wer? Die WHO! Die Weltgesundheitsorganisation! Okay, auf Englisch wär’s lustiger. (WHO? Who? WHO!) Dann wär’s ein Buchstabierwettbewerbswitz. "Covid-19" (Corona Virus Disease 19 - Disease: Krankheit, also bewusst nicht "Chivid-19", China Virus Disease, oder "Wuvid-19", Wuhan Virus Disease, nach der Hauptstadt der Todeszone), der Name kommt eindeutig zu spät.

Meine Xenophobie hat inzwischen sogar Auswirkungen auf die Wirtschaft. Auf die geschäftlichen Beziehungen vom Heinz zu China (und auf meine Beziehung zum Heinz). "Bestellst eh nix mehr in China, gell, Heinz? Sonst musst in Quarantäne. Ich hab nämlich wo g’lesen, das Virus überlebt locker neun Tage auf ana Türschnalle." - "Warum sollt i ma aus China a Türschnalle schicken lossn?" Ich selbst bestell ja gleich überhaupt nirgends mehr was. Früher hab ich mir ganz gern mein Gewand im Online-Shop ausgesucht (Heinz: "Ganz gern? Jede Wochn!"), doch ob das "Made in China" ist, erfährt man halt erst, wenn man das Etikett liest. Gut, ich könnte das Packl einfach neun Tage lang nicht öffnen. Aber dann ist die Rücksendefrist abgelaufen.

Dabei sollten wir uns eigentlich eher vor einer anderen Personengruppe fürchten. Einer von denen ist zumindest als "Superspreader" überführt worden. Superspreader? Klingt nach einer Macho-Prahlerei. Gemeint ist freilich eine besonders erfolgreiche Keimschleuder. Ein "Superverbreiter" eben. Geschäftsmann aus Großbritannien infiziert sich in Singapur auf Konferenz, fährt danach in Frankreich Ski, steckt dort elf Menschen an (wau, der wird garantiert "Anstecker des Monats"), von denen wiederum einer (he, ebenfalls ein Brite!) nach Mallorca fliegt. Die französischen Alpen, eine spanische Insel . . . - hm, da wollten die Briten unbedingt aus der EU raus und jetzt reisen sie dauernd wieder ein?

In Panik hab ich natürlich sofort "Geschäftsmann" gegoogelt und "Bilder" angeklickt. Aha, so schauen die aus: weiße Männer in Anzügen. Die werde ich von nun an meiden wie die Pest. Braucht bloß einer im Fernsehen aufzutauchen, schon schalte ich auf einen anderen Sender um. Sicher ist sicher. Äh, hast was g’sagt, Heinz? "Ja. Ich hab g’sagt: Is wahrscheinlich eh g’scheiter, wennst keine Nachrichten mehr schaust."