Unlängst habe ich bei der Spar-Zentrale in Salzburg angerufen, um eine Beschwerde zu deponieren. Ich hatte tags zuvor bei Interspar in der Jörgerstraße einen "Bio-Gouda Natur pur" gekauft, der in der dortigen Filiale geschnitten und cellophaniert worden war. Als ich am nächsten Morgen den Käse aus dem Kühlschrank hole, sehe ich auf der etwa einen halben Zentimeter dicken Käsescheibe einen großflächigen Überzug mit weißem Schimmel. Vielleicht nicht gesundheitsschädlich, aber unappetitlich. Das Gespräch mit der Telefonistin in der Spar-Zentrale lief in etwa so ab: "Gibt es bei Ihnen eine Beschwerdestelle?" Die Antwort der freundlichen Telefonistin: "Ja natürlich!" Darauf ich: "Das ist aber der Slogan der Konkurrenz!" Die Telefonistin, verlegen: "Ach ja. Sie haben recht. Was sagt man stattdessen?"- "Man sagt: ,Na freilich!‘ Oder: ,Aber sicher!‘" Darauf die Telefonistin: "Sie haben recht, ich werde mich bessern." Wenn wir die Wendung "Ja natürlich!" hören, pendeln wir gedanklich zwischen zwei gleichklingenden Wörtern. Das eine ist ein Adverb, das andere ein Adjektiv. Das Adverb "natürlich" drückt aus, dass etwas selbstverständlich ist, dass etwas so geschieht, wie man es erwartet hat. Das Adjektiv "natürlich" bedeutet: zur Natur gehörend, naturbelassen. Indirekt wird also gesagt: "Selbstverständlich führen wir naturbelassene Produkte." Oder anders ausgedrückt: Was das Adverb meint, ist die wörtliche Bedeutung, was das Adjektiv zusätzlich mitbringt, ist metaphorisch, also nicht-wörtlich. Ich habe inzwischen einige meiner Freunde gefragt, wie sie den Billa-Werbeslogan einschätzen. Unter ihnen waren einige Germanisten und viele sprachinteressierte Laien. Die Reaktionen lassen sich so zusammenfassen: "Ja natürlich!" war ursprünglich eine gehobene Ausdrucksweise. Durch die ungezählten und leicht variierten Dialoge zwischen einem Schweinderl und einem Landwirt ist "Ja natürlich!" ein Teil der täglichen Alltagskommunikation geworden. Wobei die Dialoge in den Spots eher gestelzt, also unnatürlich, daherkommen. So redet das Schweinderl den Landwirt beispielsweise mit "Du, Bauer!" an. Wer tut das? Ungewöhnlich ist das "Ja" am Beginn der Wendung. Im Gespräch mit Verwandten und Bekannten sagen wir normalerweise "Na freilich!", "Na sicher!", "Aber gern!" Das "Na" dient in diesem Fall dazu, einer Erwiderung besonderen Nachdruck zu verleihen. Die Sprachwissenschaft bezeichnet ein kurzes, unscheinbares, aber wirkungsstarkes Wort dieser Art als Partikel.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Diese Wörter werden in der gesprochenen Sprache häufig verwendet, um eine Aussage abzutönen. "Na gut!" ist übrigens gleichbedeutend mit "Ja gut!" Es geht also nicht um eine Verneinung. Ich vermute, dass die Telefonistin in der Spar-Zentrale "Na freilich!" für mundartlich hält, und "Ja natürlich!" für gehoben. Daher mein Appell: Mehr Mut zur alltagssprachlichen Diktion! Reden wir doch so, wie uns der Schnabel gewachsen ist! Meine Reklamation bei Spar hat übrigens dazu geführt, dass ich per Mail einen Gutschein über vier Euro bekommen habe. Zieht man den Preis für den weggeworfenen Bio-Gouda ab, bleiben 1,65 Euro übrig. Immerhin.