Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".
Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Dass sich auch die Tierwelt auf eine Art an Essbarem erfreut, die den Zweck des bloßen Überlebens draußen in der Wildnis bei Weitem übersteigt, hat man als hungriger Kindergartenfrischling (mit Pasta- und Schnitzel-Gusto!) einst noch aus Comics und Zeichentrickserien gelernt. Stichwort: Kater Garfield und sein Heißhunger auf Lasagne, Pu der Bär und sein Honigtopf - oder auch das Obelix-Hunderl Idefix, das auf Knochen stand wie sein einst in den Zaubertrank gefallenes Herrl auf gegrilltes, gebratenes oder - ach was, Hauptsache Wildschwein!

Und wenig später brachte auch das Bildungsfernsehen (Neigungsgruppe Naturkunde) Licht ins Dunkel. Man erlebte Braunbären, die sich Lachse und Forellen (das Sushi der Säugetiere!) ins Maul springen ließen, oder kulinarisch distinguierte Trüffelschweine, die sich nicht zuletzt als Handlanger für menschliche Genusstiger verdingten. Zuhause erwies sich bald unser körndlfressender Wellensittich Budgie als nicht nur vergleichsweise genügsam - und Maxi, der zusätzlich Erdäpfel, Nudeln, Reis, Salat sowie sehr gerne auch Obst und Gemüse in sich hinein schnabulierende Nymphensittich der Oma, als (Beinahe-)Allesfresser.

Mäuse, Ratten und Feldhasen (!) erlegende Katzen von Schulfreunden wiederum hinterließen einen kulinarisch zwiespältigen Eindruck zwischen einer Vorliebe für erlesene Wildgerichte - und schlichter Leichenfledderei. Und warum man Pandabären im Zoo dabei beobachten konnte, wie sie den ganzen lieben Tag lang ihr Lieblingsgericht (Bambus Natur) in sich hinein futterten, obwohl dieses a) für sie viel zu nährwertarm und b) ihrer Verdauung gar nicht zuträglich ist, ging ohnehin auf keine Kuhhaut. Ähnliches galt und gilt natürlich auch für den auf Plankton basierenden Menüplan des Blauwals. Und über den Aasgeier ist vielleicht noch anzumerken, dass sich der Mensch nicht über ihn erheben sollte, solange er selbst auf Gerichte wie Beuscherl steht. Auch die Angewohnheit des sogenannten Homo sapiens, Tiere zu häckseln und wurstförmig in ihren eigenen Darm zu pressen, wäre in diesem Zusammenhang zu diskutieren.

Den Vogel in Sachen Ernährung schießt nun aber der Tintenfisch ab. Eine aktuelle Studie über den bekanntlich hochintelligenten Kopffüßer belegt, dass dieser seinen Speiseplan vorausschauend, also gewissermaßen situationselastisch gestalten kann. Kurz gesagt, wenn er weiß, dass es am Abend sein Leibgericht gibt, hält er sich beim Mittagstisch vornehm zurück. Der Tintenfisch delektiert sich übrigens bevorzugt an Garnelen. Ein Kostverächter ist er nämlich auch nicht.

Wir Menschen müssen uns also wieder einmal sehr schämen. Denn einerseits bewundern wir den Tintenfisch zwar. Andererseits schätzen wir ihn aber auch als Delikatesse. Leider hat das Raubtier Mensch den Tintenfisch buchstäblich zum Fressen gern.