Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.
Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.

Für den Prepper - also jenen Menschen, der sich auf die nächste richtig große Krise vorbereitet (das Wort Prepper wurzelt im englischen to prepare, sich vorbereiten) - ist das Coronavirus wie die Allianz vom Christkind mit dem Osterhasen.

Das gruselige Wohlgefühl, das den Prepper schon in unbewegten Zeiten erfüllte, als er die eigenen prall gefüllten Regale im Luftschutzkeller betrachtete und sich vorstellte, wie er sich eines Tages den Wanst vollschlagen würde, während alle anderen draußen darben, ist nur Vorahnung jenes Triumphs, den er dieser Tage verspürt. Wenn er beobachtet, wie die Nicht-Vorbereiteten Konserven-Linsen in die Einkaufswagerl stapeln und ums letzte Packerl Dinkelnudeln streiten. Wenn der Apotheker Schilder mit dem Hinweis "No masks!" vors Geschäft hängt, entkommt ihm vermutlich ein rauchiges Krächzen der Zufriedenheit.

Nun bin ich zwar selbst kein Prepper, aber durchaus ein Freund des Wohlgefühls. Und das ist in Zeiten von Krankheit, Krise und schlechten Nachrichten fast noch schwerer zu kriegen als eine Flasche Hände-Desinfektionsmittel. Da passte es ganz gut, dass ich erst kürzlich auf eine besonders wunderbare Episode im - an sich schon wunderbaren - Podcast "This American Life" stieß. Wer sie nicht kennt: Diese Sendung bietet Audio-Beiträge zu ausgewählten Themen. Hervorragend konzipiert, aufwendig recherchiert, liebevoll und überraschend umgesetzt.

Die eine Folge, die mich so erfreute, trug den Titel "The Show of Delights", was so etwas wie die "Sendung der kleinen Freuden" heißt. Schon der Einstieg ließ mich herzlich lachen, und als dann der US-Autor Ross Gay zu Wort kam, konnte ich nicht mehr aufhören zu lächeln. Gay hat in seinem "Book of Delights" Notizen über den Zeitraum eines Jahres gesammelt, in denen er alle Momente des kleinen Glücks festhielt: ein Mini-Essay pro Tag. Die Miniaturen behandeln elementare Augenblicke des Glücklichseins: die Freude über einen Regenbogen ebenso wie eine Flugreise mit einer kleinen, eingetopften Paradeiser-Pflanze.

Nicht nur der feine Humor der Geschichten entzückte mich, sondern auch die Ausführungen des Dichters. Der Mann hat Charme und eine Art zu lachen - infektiöser als COVID-19. Das Buch selbst - ich bin noch nicht ganz fertig damit - ist eine Anleitung, die Augen zu öffnen und sich wieder empfänglich zu machen für die kleinen und großen Wunder, die uns tagtäglich umgeben.

Gay spricht vom "Trainieren des Glücksmuskels". Und vielleicht ist genau das auch die beste Art der Vorbereitung auf die Meldungen von Krieg, Krankheit und Krise: Wachsam sein und sorgfältig darauf achten, die richtig guten Momente nicht zu verpassen.