Die Zeiten haben sich definitiv geändert. Gerade noch hab ich mich gefragt (und Ratgeber darüber gelesen): Was mach ich während der Werbepause? (Äh, pinkeln gehen und mir gleich den nächsten Tee kochen, damit mir in der darauffolgenden Werbepause nicht wieder fad wird? Hm. Und was tu ich, solange der Tee zieht?) Und inzwischen? Hab ich ganz andere Probleme. Nämlich: Wie verbringe ich meine zwei Wochen Quarantäne? (Noch sind sie zum Glück Theorie.) Und vor allem: Was werde ich essen?

He, am besten ruf ich meinen Lieblingsarbeitslosen an. Der kann mir sicher ein paar Expertentipps geben. Der Bernard G. (sein richtiger und vollständiger Name steht auf seiner Jahreskarte der Wiener Linien, die er derzeit freilich nicht nutzt, sondern lieber allein im Auto sitzt, weil er nach seinem Herzinfarkt - und mit seiner Raucherlunge - vermutlich zu den 20 Prozent gehören würde, bei denen Covid-19 keinen asymptomatischen oder milden Verlauf zeigt, sondern einen übertrieben symptomatischen), der verlässt die Wohnung jedenfalls seit Langem bloß noch, wenn er zum AMS, zum Arzt, zur Apotheke, zur Trafik oder zum Supermarkt muss. ("I trainier seit neun Jahren Quarantäne. Für mi wär das nix Neues.") Ansonsten tut er "Computerspielen, essen und viel schlafen". Jetzt umso mehr, seit draußen sein Leben in Gefahr ist. "Und, Bernard? Hast di schon eingedeckt für die Quarantäne?" - "Ja, ja. Zwa Stangen Tschick hab i daheim, zwölf Liter Haltbarmilch, jede Menge Dosengulasch . . ." - "Dosengulasch? Das würd i nie runterbringen. Überhaupt Dosenfutter. Diesen grauslichen Gatsch." - "Bevorst verhungerst, schluckst den ,grauslichen Gatsch‘." - "Eh. Aber wenn i Pech hab und ned am Verhungern bin? Dann kann ich das alles in zwa Joa, wenns abg’laufen is, wegschmeißen. Und der Aufwand bei der Mülltrennung erst. Dose öffnen, Inhalt in den Restmüll kippen (ned in den Biomüll, gell?), hoffen, dass des Müllsackl ned reißt, Dose ausspülen und in die gelbe Tonne haun. Und das 14 Mal. Na, danke. Da is es doch vernünftiger, i bunker nur Lebensmittel, die mir schmecken. Haltbar müssens halt sein." - "Du weißt aber schon, dass Chips und Schokolade kane Lebensmittel san, oder?"

Meinen großen Hamsterkauf hab ich mittlerweile hinter mir. Und mich währenddessen ziemlich unwohl gefühlt. Wegen der vielen Hände, die ich schütteln hab müssen. Beim Einkaufen schüttle ich ja nicht bloß die Hand der Kassierin (indirekt), die mein Essen angreift, bevor ich’s einpack. Vorher hat sie schließlich bereits das Essen von Dutzenden anderen angefasst. Denen hab ich also auch die Hand gegeben. Und ungeschütztes Händeschütteln ist wie ungeschützter Geschlechtsverkehr.

Dem Bernard hab ich natürlich sofort nach dem Heimkommen Bericht erstattet: "Jetzt hob i lauter guate Sochn z’Haus und darf nix davon verputzen. Dabei hätt i so an Gusto auf Schnitten. Aber die san fürn Notfall." - "Host nix für aktuell zum Essen besorgt?" - "Hob i in da Panik vergessen." - "Dann iss die Schnitten und kauf morgen einfach a naichs Packl." - "Seeehr witzig. Vielleicht bin i morgen längst in Quarantäne und kann keins mehr kaufen." - "Dann wär das doch eh grad a Notfall." - "Stimmt eigentlich." Ach, im Endeffekt kommt’s sowieso nicht so sehr drauf an, was man isst, als vielmehr darauf, dass man sich davor die Hände gewaschen hat.