Man will es zunächst nicht glauben, aber es ist wahr. Der Nachrichtensender CNN berichtete vor einigen Tagen, dass die Amerikaner einen Zusammenhang zwischen dem Corona-Virus und der Biersorte "Corona Extra" herstellen. Ganze 38 Prozent der Amerikaner würden "unter keinen Umständen" wegen des Ausbruchs der Epidemie "Corona"-Bier kaufen. Da entsteht der Eindruck: Nomen est omen. Die Amerikaner glauben, "Corona"-Bier könne sie infizieren.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Die Meldung wurde über die Agenturen verbreitet und ging - wie man heute sagt - viral. Soll heißen: Die Meldung wurde weltweit von Medien aufgegriffen und breitete sich im Internet schneeballartig aus. Sie beruhte auf einer Pressemitteilung der US-Agentur 5W Public Relations. In dieser Aussendung war aber nicht zu lesen, welche konkreten Fragen den 737 US-Bürgern - das ist nicht gerade eine große Zahl - gestellt wurden.

Befragt wurden nicht alle Amerikaner, sondern amerikanische Biertrinker. Darunter waren selbstredend viele, die nie im Leben das extravagante und teure Kultbier trinken würden. Und wegen der Corona-Epidemie würden nur
4 Prozent auf ein "Corona"-Bier verzichten, wie man weiter unten in der Aussendung lesen konnte. So dumm sind die amerikanischen Biertrinker also doch nicht. Sie haben keine Angst, dass sie sich durch den Konsum von "Corona-Extra" anstecken. Und vier Prozent - das liegt bei diesem kleinen Sample wohl innerhalb der Schwankungsbreite.

"Corona Extra" ist ein mexikanisches Bier, das in aller Herren Länder verkauft wird. Es ist eines der wichtigsten Exportbiere. Nach Firmenangaben stand hinter der Gründung der Gedanke, ein Bier zu brauen, das der spanischen Krone gerecht wird. Heute gehört das Brauunternehmen der US-Gesellschaft Anheuser Busch InBev.

Das Unternehmen hat allerdings das gleichnamige Virus sehr wohl zu spüren bekommen. Vor allem in China ist der Umsatz von "Corona"-Bier eingebrochen. Aber nicht wegen der Namensgleichheit. Die Chinesen gehen wegen des Virus kaum noch in Bars oder in Restaurants. Ähnliche verhalten sich die Biertrinker in anderen Ländern.

Das Bier enthält neben Wasser, Hopfen, Hefe und Gerstenmalz auch Mais, Reis, Papain und Ascorbinsäure, also Vitamin C. Dass man mit "Corona"-Bier seine Widerstandskraft gegen Grippeviren stärken kann, ist allerdings ein Mythos.

Es passt nicht ganz hierher, aber es ist recht amüsant: Das Coronavirus tauchte auch schon in einem Asterix-Comic aus dem Jahr 2017 auf, in der Ausgabe "Asterix in Italien". Die Anfeuerungsrufe "Coronavirus!" galten einem skrupellosen, römischen Wagenlenker dieses Namens, der Asterix und Obelix zu schaffen machte.

Der Name findet sich freilich nur in der französischen Originalfassung und in der englischsprachigen Version. Der deutsche Übersetzer erklärte schon damals gegenüber einer Tageszeitung, dass er sich für einen anderen Namen entschieden habe, denn "wir Deutsche empfinden Krankheiten als etwas sehr Unappetitliches, Ekeliges". Für Franzosen sei ein Virus hingegen eher ein Synonym für etwas Gefährliches und Gemeines. Daher heißt in der deutschsprachigen Version der betreffende Wagenlenker anders: Caligarius. Auf Deutsch: der Schuhmacher.