Der Todestag von Pier Paolo Pasolini jährt sich heuer zum 25. Mal. Obwohl ich bestrebt bin, sozusagen bevor es auch für mich zu spät ist, noch geschwind ein paar Bildungslücken zu schließen, habe ich mir gesagt: Pasolini-Filme schaue ich mir in diesem Leben wohl doch nicht mehr an. Ich weiß nicht, wann das genau begonnen hat, aber es ist dahin gekommen, dass ich Filme meide, bei denen ich mit angespannten Schultern und eingezogenem Hals dasitzen müsste. Ich habe aufgehört, mir vorzusagen, dass das, was ich sehe, "nur ein Film" sei. Das ist es nämlich höchstwahrscheinlich gerade eben nicht. Aber wie immer dem sein mag, ich habe den Verdacht, dass ich selbst, wenn es ein Alter dafür gäbe, nun im Komödienalter angekommen bin.

Als ich jung war, meinte ich, ich müsste alles ertragen. Unnachgiebig schaute ich mir in vielen Filmen Gewalttätigkeiten an und unterhielt mich danach auf der "Kunstwerkebene" darüber. Das ist mir zu anstrengend geworden. Mir scheint, dass das Älterwerden nicht nur mehr Falten bringt, sondern auch Veränderungen und Wachstum anderer Art. Bei mir hat vielleicht die Empathie zugenommen. Oder es hat einfach nur die Bereitschaft und die Fähigkeit nachgelassen, mir unerträgliche Dinge anzuschauen. Früher wollte ich die Augen vor den dunklen Ecken der Welt nicht verschließen. Jetzt genügt es mir, darüber zu lesen. Den "Joker" schaue ich mir also nicht an, Kritiken genügen.

Ohne die Absicht zu haben, hörte ich auf, ins Kino zu gehen. Der Zufall führte mich dann vor ein paar Jahren in "The Best Exotic Marigold Hotel". Mit dieser Komödie eroberte ich das Kino für mich zurück. Einsichten in das Wesen des Menschen, der wahrscheinlich weniger böse als ungeschickt, vielleicht schlitzohrig und oft unbedacht ist, bringen mich zum Lachen, Ausatmen und Entspannen.

Meine halbwüchsigen Töchter - sie selber würden ihren Zustand indigniert als fast erwachsen beschreiben - fanden meinen Lieblingsfilm der letzten Monate, "Die zwei Päpste", immerhin eindrucksvoll. Lieber schauen sie aber sogenannte "Fails" auf YouTube: Egal, was jemand anfängt, es geht schief. Und alle lachen darüber. Als wollten sie mit ihrem Lachen die Angst vor dem Scheitern bannen. Und mein Sohn hat ein Faible für Filme über Helden, die mit übermenschlichen Kräften und allerhand maschineller Unterstützung dem Guten in der Welt zum Durchbruch verhelfen. Wenn diese Helden dann noch gute Sprüche draufhaben, ist das Filmvergnügen perfekt. Meine Kinder wissen schon jetzt: Die Guten sind lustig! Und die, die nicht alles auf Anhieb hinkriegen, schütteln sich und versuchen es noch einmal.

Wer weiß, vielleicht kommen meine Kinder ja ohne filmische Nackenspannungen durchs Leben.