Corontäne oder Corantäne, da scheiden sich noch die Geister. Fest steht, dass alles fest steht. Dafür wissen wir, was wir jetzt alles nicht tun sollen: Hände geben, Hände reichen, Hände schütteln. Überhaupt nichts mit Händen. Auch nicht auf Händen gehen. Nur waschen soll man sie - und zuhause bleiben.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Aber was soll man dort tun? Das sagt einem wieder keiner. Denn, wenn man nicht mehr außer Haus gehen kann, soll oder will, darf oder muss, dann wird es . . . fad. Langweilig. Öööööd!

Klar, es gibt Netflix, iTunes, den ORF, medizinisch interessante Videos im Internet über ineinander verschränkte Körperteile. Dazu Katzenvideos, Hundevideos und die größten Bagger der Welt. Ja, sicher, aber irgendwann wird einem das auch . . . fad. Saufad sogar.

Was dann? Lesen? Bücher? Da muss die Durchschnittsbevölkerung aber noch viel, viel verzweifelter werden, bevor sie sich dazu herablässt, sich von Buchstaben anstatt von Gabalier ablenken zu lassen. Hand aufs Herz: Eine Population, die es als Freizeitvergnügen ansieht, samstags im örtlichen Baumarkt oder einem schwedischen Möbelhersteller einzufallen, bleibt auch unter Corantäne (oder doch Corontäne?) durch und durch praktisch veranlagt. Da wird jetzt die Wohnung ausgemalt. Nur ohne Farbe ist es blöd. Na gut, dann eben die wackeligen Fußbodenleisten angeschraubt, die Regale feucht ausgewischt und endlich mal jene Ecken in der Küche gereinigt, wo man sonst nie mit dem Staubsauger hinkommt. Und wie schön das ist! Ein Trip in die Vergangenheit. Was man da alles findet, lässt einen an gesündere Zeiten denken. Diese Süßkartoffel etwa ist garantiert Corona-frei, da sie sichtlich schon vor mehreren Jahren ausgetrieben hat. Und wenn man dann die Wurzeln aus dem Küchenboden entfernt und die Stelle abgeschliffen und neu verfugt hat, dann ist einem . . . wieder fad.

Was jetzt? Die Cheops-Pyramide aus den Klopapierrollen nachbauen? Wir haben ja genug davon. Was wiederum beweist, dass die Situation "Scheiße" ist. Oder lieber Platten neu sortieren? Da kann man sich von "High Fidelity" inspirieren lassen. Chronologisch? Alphabetisch? Oder doch Autobiografisch? Ist natürlich nichts für die MP3-Generation. Schließlich ist so eine Playlist mit einem "Sortieren nach" in 5 Sekunden geändert, während der alte Boomer-Vinyl-Junkie schon gern mal ein, zwei Tage damit verbringen kann, Scheiben zu sichten und zu schichten. Vor allem wegen der zahlreichen Tonbeispiele, die eingefügt werden müssen.

Apropos autobiografisch: Man könnte auch die Autobiografie von Woody Allen neu schreiben, in einer Version, die auch Allen gefällt (Super internationaler Wortwitz). Oder . . . ich weiß ja auch nicht.

Denn bei all diesen Vorsichtsmaßnahmen muss man auch ehrlich zugeben: Das ist auch keine Garantie für Gesundheit. Wenn man ständig mit seinen "Liebsten" auf engstem Raum zusammengesperrt ist, dann nervt das mit der Zeit. Das hält ja keiner aus. Und das bedeutet folgerichtig einen Anstieg von häuslicher Gewalt. Kein Spaß. Meine Frau hat mir schon die Mundhöhle mit PU-Schaum gefüllt, weil sie mein ständiges "Mir ist so langweilig!" nicht mehr hören kann. Aber Schreiben lässt sie mich no