Die Corona-Epidemie wird uns noch Wochen, wenn nicht Monate beschäftigen. Darf man über das Virus Witze machen? Ich finde schon. Das Virus macht krank - Lachen ist gesund. Immer mehr Zeitungen sammeln Corona-Witze, um der Krankheit zumindest für ein paar Momente den Stachel zu ziehen. Der Schweizer "Tagesanzeiger" hat "den besten Witz im Netz" gekürt. Es ist ein Meme, also ein Bildwitz. Auf dem Foto sind links eine Flasche des mexikanischen Kultbiers Corona Extra zu sehen und rechts mehrere Flaschen Heineken-Bier. Das Heineken an vorderster Front trägt eine Schutzmaske . . .

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Amalthea "Österreichisch für Fortgeschrittene" erschienen.

Auf Platz drei landete ein Meme über Donald Trump. Der US-Präsident ist ein beliebtes Sujet, weil er anfangs die Auffassung vertrat, das Virus werde im April wieder ausgestorben sein, wenn die Temperaturen steigen. In US-Late-Night-Shows gibt es zuhauf Witze über Trumps Unwissenheit, was das Virus anbelangt. Wir sehen also Trump an einem riesigen Besprechungstisch sitzen. Hinter ihm das Wappen der Vereinigten Staaten. In der Sprachblase steht: "I know more about viruses than anybody!" Einer seiner Berater am anderen Ende des Tisches wirft ein: "This isn’t Syphilis, Sir!"

Von den Memes zu den richtigen Witzen: "Was macht man mit einer Indianerin bei Verdacht auf Coronavirus? Man schickt sie in Squawrantäne." Das ist ein schwacher Sprachwitz. Er basiert auf einer Klangähnlichkeit zwischen Squaw und dem ersten Wortteil von Quarantäne. Der Witz gehört zu den nicht erratbaren Scherzfragen - ein beliebtes Witzesujet in unserer schnelllebigen Zeit. Denn kurz sind sie allesamt, diese Witze.

"Was haben das Coronavirus und die Pasta gemeinsam? - Die Chinesen haben es erfunden, die Italiener verbreiten es auf der ganzen Welt." Derartige Witze leben davon, dass zwei Sachen miteinander verglichen werden, die eigentlich nicht vergleichbar sind.

Es geht natürlich besser: "Eine Frau in der U-Bahn zu einem stark hustenden Mann: ,Corona?‘ - ,Nein, Marlboro.‘" Hier tauchen überraschend Gemeinsamkeiten zwischen dem Virus und einer Zigarette auf: Beide können zu einer Lungenerkrankung und zum Tod führen.

Witze, in denen der Tod eine Rolle spielt, sind makaber. In diese Richtung geht auch ein Witz, der in Belgien zurzeit erzählt wird: In einem Supermarkt wird Corona-Bier zum Verkauf angeboten, mit folgendem Werbespruch: "Achetez deux Corona et recevez une Mort Subite gratuitement!"

Ich weiß, dass man Witze nicht erklären müssen darf, das ist ein ehernes Prinzip des Witzeerzählens. Aber in diesem Fall geht es nicht anders. Das mexikanische Bier Corona Extra kennen Sie ja bereits. Eine belgische Brauerei heißt Mort Subite, was man mit "plötzlicher Tod" übersetzen kann. Der Supermarkt wirbt mit dem Slogan: "Kaufen Sie zwei Flaschen Corona, und sie erhalten ein Mort Subite gratis!"

In Ethno-Witzen wird Menschen aufgrund ihrer Herkunft eine stereotype Eigenschaft unterstellt. So auch in dem folgenden Witz, der mir deshalb gut gefällt, weil er ein Quäntchen Selbstironie enthält: "Was hamstern in der Corona-Krise die Italiener, die Franzosen und die Österreicher? - Die Italiener Rotwein, die Franzosen Kondome und die Österreicher Klopapier."