Manchmal wird man ja so angetriggert. Da passiert etwas - vielleicht eine Kleinigkeit - und dann fällt einem ein Ereignis aus der Vergangenheit plötzlich wieder ein. Jahre hatte man nicht daran gedacht, doch plötzlich - Zack! - ist es wieder da. Ich muss zurzeit zum Beispiel aus einem unerfindlichen Grund immer wieder an den Film "Outbreak" denken. Aber natürlich denk ich auch an etwas anderes. An "Contagion" etwa. Oder an "12 Monkeys".

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Und an das Gespräch mit einer Tirolerin musste ich auch kürzlich denken. Das war nach einem Auftritt vor vielen Jahren. Die junge Frau hatte sich mein Programm angeschaut, und anschließend haben wir ein Bier getrunken. Und irgendwann frag ich sie, was sie denn so macht. Sie wäre Snowboardtrainerin, aber im Moment in Reha. Wegen des Unfalls. "Was ist denn passiert?", frage ich. Sie winkt müde ab: "Achhhh nichchtsch B’sonderesch. A bischerl an Halswirbel hob ichch ma ’brochchn." - "Du hast was?" Aber nein, es war schon so: Diese junge Tiroler Snowboarderin hatte sich das Genick gebrochen. Vor vier Wochen, aber es wäre - so hat sie damals weiter erzählt - halb so schlimm. Vorige Woche sei sie schon wieder mit Halskrause Ski gefahren. Diese Begegnung mit dem Glauben an die absolute Tiroler Unsterblichkeit (sprich: "Unsterblichchkcheith") ist mir wieder eingefallen, als ich das Interview mit dem Gesundheitslandesrat des heiligen Landes gesehen habe.

Denn nach diesem Gespräch weiß man erstens: Die Bergbahnlobby gibt es nicht. Zweitens: Das Virus kommt von außen. Drittens: Der Schnee ist ursprünglich tirolerisch. Viertens: Im Après-Ski kann man sich nicht anstecken, da alle durch Jagatee desinfiziert sind. Fünftens: Was kümmert einen Tiroler, was die Isländer machen? Und - last but not least - sechstens: Die Behörden in Tirol haben schon immer alles richtig gemacht. Und zwar seit Margarete Maultasch.

Angesichts dessen fragt man sich, was wohl so ein echter schwarztürkiser Gesundheitstiroler sagen würde, hätte es ein Erdbeben gegeben. Schon Tage und Wochen vorher wären Warnungen von Seismologen eingegangen, Vorbeben in Italien hätten das Schlimmste befürchten lassen, und so manche Stütze von Liftanlagen wäre von den Erschütterungen schon in Mitleidenschaft gezogen worden. Und dann wäre es trotz aller Befürchtungen gekommen: das Hauptbeben. Ein paar hundert Tote und Verletzte, weil zahlreiche Menschen aus dem Lift und den Bergbahnen aus 10, 20, 30 Metern Höhe auf betonharte Pisten geknallt wären. Was würde da der durchschnittliche, offizielle Tiroler sagen?

Erstens: Das Beben ist von dem unterirdischen Ausland nach Tirol hereingetragen worden. Zweitens: Es war unmöglich, vorher zu wissen, dass man aus einem Lift herausfallen kann. Und drittens ist es eigentlich wissenschaftlich unmöglich, in den Bergen Tirols überhaupt zu Tode zu kommen.

Und wenn jetzt der Frühling kommt, sagt sich der gemeine Gesundheitstiroler: Das Beste, was gegen schmelzenden Schnee, Umsatzeinbrüche und Frühjahrsdepressionen hilft, ist eine echte Tiroler Schneekanonen-Kneippkur vom eingeborenen Jodeldodel und anschließend ein Jägermeister-Vollbad beim Depri-Ski.

Bärig!