Ich will eher früher als später zum Alltag zurückkehren. Bisher ist mir das, wie allen, verwehrt durch die Umstände. Durch Ausgangsbeschränkungen, neue restriktive Spielregeln des gesellschaftlichen Umgangs, ungewohnte Ge- und Verbote im Zuge der Maßnahmen der "größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg", um die deutsche Kanzlerin zu zitieren. Auch sie wurde bereits unter medizinische Quarantäne gestellt. Und wieder entlassen. Es wird uns allen so gehen: Irgendwann - viele rechnen mit den Osterfeiertagen, manche erst mit Spätsommer - steht uns wieder das Glück der ungehinderten, im wahrsten Wortsinn freien Bewegung ins Haus. Frische Luft, weite Räume, Wälder, Wiesen und Parkanlagen: ein Aufatmen! Aber noch ist es nicht so weit.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Was man dieser Tage noch machen kann, soweit uns das nicht auch noch verwehrt wird (aus guten Gründen, wohlgemerkt): Spazierengehen, allein oder zu zweit mit dem Lebenspartner und Radfahren. Und es fühlt sich plötzlich anders an: bewusster, wertvoller, notwendiger. Ich habe wieder die Schläuche aller meiner Fahrräder aufgepumpt, und ich nutze sie abwechselnd mit einer Gier nach körperlicher Betätigung, die mir bislang unbekannt war. Zugegeben: Die Lust am Herumkurven wird durch einen Neuzugang noch deutlich verstärkt - ein Testobjekt namens Vello. Exakter: Vellobike Plus. Egal. Das ist ein Rad, das für mich eine neue Zeitrechnung markiert. Ich beginne schon jetzt, mir Euro für Euro zur Seite zu legen, um es im Sommer dann auch wirklich mein eigen nennen zu können.

Was ist das Wunderbare an diesem Fahrrad? Erstens: Es lässt sich zusammenklappen und -falten. Auf fast ein Drittel seiner ursprünglichen Größe. Und das recht flott und unkompliziert. Zweitens: Es sieht trotzdem gut, ja nachgerade elegant aus. Das tun Falträder nicht immer, manche gleichen Konstruktionen für überspannte Mechaniker ohne ästhetisches Feingefühl. Und das Vellobike fährt sich auch gut. Drittens: Es unterstützt meinen Vorwärtsdrang auf angenehme Weise. Denn ich kann bei Bedarf einen Elektromotor zuschalten, der Steigungen seinen Schrecken nimmt. Und mich ohne Schwitzorgien im Büro abliefert. Wenn das Büro wieder ein Zielort ist.

Bis dahin husche ich mit dem Rad, wann immer mir danach ist, durch auto- und menschenleere Straßen. Der Zahnriemen aus Gummi (statt der üblichen Kette) surrt leise, die kleinen, flexibel adjustierten Leuchten signalisieren Sicherheit, das Rückwärtskreisen der Pedale startet den Zusatzschub. Das Rad ist, trotz des Elektromotors und der Batterie, immer noch erstaunlich leicht. Und dabei stabil. Es trägt den Zentner, den ich (freilich mit Kleidung, Helm, Trinkflasche und allerlei Kleinzeug in den Taschen!) auf den schmalen Sattel wuchte, klaglos durch die Gegend. Mehr Luxus kann mir derzeit auch kein Bentley bieten, und die U-Bahn kommt aus naheliegenden Gründen jetzt gerade nicht in Betracht.

Gut, teuer ist das Vellobike. Dafür "made in Austria". Dass nicht mehr alles nichts kosten darf und dafür profitgeil, aber tödlich für die Umwelt in China zusammengeschraubt werden muss, diese Lektion haben wir gelernt. Schmerzhaft, aber nachhaltig.