Viele von uns müssen diese alte Kulturtechnik ja erst wieder völlig neu erlernen und tun sich noch ein bissl schwer damit. Ach, mit dem Selberkochen? Nein, wieso? Fertiggerichte und Chips gibt’s im Supermarkt doch weiterhin zu kaufen. Mit dem Wohnen! Noch dazu daheim. Und das 24/7.

Okay, diesen Sonntag lediglich 23 Stunden. (Sommerzeit! Drei Uhr ist das neue zwei Uhr!) Und heuer wird sich wohl eher keiner darüber aufregen, dass ihm eine wertvolle Stunde geflaucht wird, die er wahrscheinlich sowieso verschlafen hätte und die er dann irgendwann im Herbst zurückkriegt. Ohne Zinsen. He, der Beweis für Zeitreisen! Denn diese Stunde haut definitiv in die Zukunft ab (und kommt Ende Oktober dort an). Diesmal werden sich jedenfalls alle freuen, dass sie eine Stunde kürzer zuhause hocken müssen. Ein paar werden sich vielleicht sogar den Wecker stellen, um diesen genialen Zaubertrick, das magische Verschwinden einer ganzen Stunde, auf ihrem Handy live mitzuverfolgen. Wetten, das ist in Wahrheit ein Experiment von Uri Geller? Wurscht. Oder Käse. Worauf es dieser Tage wirklich ankommt, draußen wie drinnen, ist doch: G’sund bleiben! Die Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und -brüder sind derzeit nämlich wegen diesem C-Virus voll im Stress. Die sollten sich nicht auch noch um Influencer kümmern müssen, die lustige Quarantäne-Videos drehen, wie sie sich vierlagiges K-Papier in den Mund stopfen (wer kriegt mehr Blätter rein?), bis sie ersticken, ins Koma fallen oder man ihnen den Magen auspumpen muss.

"Und? Wie hältst DU di fit?" Das hab ich den Heinz natürlich am Telefon gefragt. Sozial kontaktieren, also treffen, darf ich ihn ja nicht. "Goa ned. Mei einziges Sportgerät z’haus is a Bowlingkugel." - "Nimm halt Klopapierrollen als Kegel." - "Konn i ned. I hob nur sechs. Zum Bowlen brauchst oba zehn." - "Du host bloß sechs Rollen Klopapier? Dein’ Optimismus möcht i ham." - "Außerdem GIBT’S beim Bowling kane Kegel." - "Sondern?" - "Pins." Aha, einer von denen, die nicht angeln, sondern fischen. "Versprich ma nur ans, Heinz. Egal, wie einsam du di fühlst, bastel dir aus dieser Bowlingkugel auf kan Foi einen Wilson. Weil wenn dir der auf den Fuaß foit . . ." - "Gehen muass i in den nächsten Monaten eh ned kennan." (So viel zum Optimismus.)

Und ich? Wollte endlich einmal dieses Home-Workout ausprobieren. Frühjahrsputz. Aber zu gefährlich. Die meisten Haushaltsunfälle passieren schließlich in der eigenen Wohnung. Nicht, dass das Gesundheitssystem noch meinetwegen kollabiert, weil ich übers Kabel vom Staubsauger stolpere. Oder beim Abstauben coronaverdächtig huste und die Nachbarn in Panik die Rettung rufen. "Wann hast’n leicht das letzte Mal Staub g’wischt?" - "Wann war der Schüssel Bundeskanzler?" (Warum schreibt bei einem Corona-Verdachtsfall eigentlich nie einer: "Es gilt die Unschuldsvermutung.") Hm. Wenigstens die alten Zeitungen könnte ich ausmisten. Bevor mich die begraben. Andererseits: Was, wenn mir das Klopapier ausgeht? "Du, konn des sein, doss du einfach nur faul bist?" Tachinieren ist das neue Heldentum, bitte! Ich bin eine Sofaheldin. Ich rette Leben. Im Sitzen.