In Zeiten wie diesen ist man ja froh über jede einigermaßen gute Nachricht. So sagt der ärztliche Direktor des Krankenhauses im deutschen Erkelenz, er wäre vorsichtig optimistisch, da die Maßnahmen langsam grüfen... äh... gräfen... nein... greifen würden. Und da denk ich mir sofort: Erkelenz. Wirklich? Es gibt tatsächlich eine deutsche Stadt namens "Erkelenz"? Ich bin fasziniert und abgestoßen gleichermaßen. Und dabei bin ich einiges gewohnt. Ich fahr ja die ganze Zeit herum. Ich war schon in Linsengericht, Witzenhausen, Quakenbrück und im ultimativen, provinziellen Ortsnamen: Heimsheim.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Aber Erkelenz ist neu. Meine Assoziationssynapsen brummen.

Erkelenz klingt in meinen Ohren nach Exzellenz und Ferkel gleichzeitig. Ekel schwingt auch noch mit. Erkelenz scheint mir so etwas wie Renitenz, Dekadenz oder Arroganz zu sein. Ein theoretischer Begriff für... ja wofür? Vielleicht beschreibt Erkelenz die Fähigkeit, in sozialen Medien die unsympathischen Postings zu übersehen. Vielleicht ist Erkelenz aber auch das Gegenteil und man liest dann nur noch die geistigen Flatulenzen. Vielleicht bedeutet Erkelenz aber, dass man nach 18 Bier, zwei Flaschen Wein, einer halben Flasche Schnaps und einem Hotdog immer noch in der Lage ist, den Mageninhalt so gezielt ins Klo zu transferieren, dass man sich nicht total versaut. "Oida, gestern war i so angsoffen, aber i hab noch meine Erkelenz bewahrt."

Oder klingt Erkelenz nicht doch eher nach einer schweren Krankheit? "Er leidet an akuter Erkelenz?" - "Um Gottes willen, das ist ja furchtbar! Was kann man denn tun?" - "Nichts leider. Erkelenz ist nicht heilbar. Er wird jetzt sein ganzes Leben lang ÖVP wählen müssen" -"Der Arme!"

Vielleicht grassiert diese Krankheit schon seit Jahrzehnten unerkannt in diesem Land? Wir müssen bundesweit Erkelenz-Tests durchführen. "Wir sagen der Erkelenz den Kampf an", höre ich schon jemanden sagen, der dabei dreinschaut, als würde er sich um einen Gastauftritt in "Der Bergdoktor" bemühen.

Oder es ist ein Titel? "Eure Erkelenz, welche Ehre!" Und es versteht sich von selbst, dass mit "Erkelenz" nur Menschen angesprochen werden, die man zwar privat für Charakterschweine hält, aber von denen man wirtschaftlich abhängig ist (was man aber niemals zugeben würde): "Eure Erkelenz! Ich begrüße Sie!"

Oder nein, Erkelenz ist ein wissenschaftlicher Begriff. Er beschreibt das zwanghafte psychische Verhalten, seinen Assoziationen zu Ortsnamen freien Lauf zu lassen. Das bedeutet: Ich leide an Erkelenz-Erkelenz.

Stop. Da hilft nur Recherche. Die harten Fakten: Erkelenz, mittlere kreisangehörigen Stadt in Nordrheinwestfalen, 43.364 Einwohner, nahe der holländischen Grenze gelegen, am halben Weg zwischen Düsseldorf und Maastricht. Nördlich von Linnich und südlich von Niederkrüchten.

Was? Niederkrüchten?

Das klingt wie ein Wort dafür, wenn man jemanden mit schwerem landwirtschaftlichen Gerät in den noch feuchten Ackerboden einarbeitet, um die Frage, wer jetzt den Hof erben soll, endgültig zu lösen.

"Hast gehört: Der Rudi wollte seinen Vater niederkrüchten..."

Oder Niederkrüchten...

Nein, ich hör schon auf. Das ist diese Erkelenz. Hoch ansteckend. Hab ich mir im Internet geholt.