Ich bin zu Hause. Ich mag es auch, aber ich würde es noch mehr schätzen, wenn die Welt draußen in Ordnung ist. So bin ich zu Hause, unfreiwillig, widerwillig und muss mir meinen Tagesablauf gestalten. Ich bin auf mich zurückgeworfen und durch die mächtigen Medien auch ein wenig ohnmächtig geworden.

Ich schütze mich, dass ich nicht alle Stunden die aktuellen Zahlen in Bild und Wort verfolge. Um weniger Angst zu verspüren, reise ich in meine Kindheit und tröste mich mit Bildern, denke an gute und schlechte Augenblicke. Immer wieder fällt mir ein, dass ich diesen momentanen Zustand der kollektiven Angst in keiner ähnlichen Form erlebt habe, eine Situation, die außergewöhnlich ist und auf unterschiedliche Art und Weise uns alle betrifft. Ich versuche mich abzulenken, lese oder schaue einen Film, doch am meisten tröstet es mich, wenn ich in eine andere Zeit reise.

Ich entdecke eine alte Fotografie, auf der ich vielleicht acht Jahre alt war. Ich fotografierte meine Schwestern mit ihren bunten gestreiften Pullovern. Ich mag dieses Bild, doch wenn ich genauer hinschaue, sehe ich ihre schwarzen Bänder im Haar. Schlaufen der Trauer, die mich an das frühe Ableben meines Vaters erinnern. Auch jetzt, in diesen Zeiten, sind wir mit dem Tod konfrontiert. Du liest darüber in Zeitungen, hörst davon in Funk und Fernsehen. Ich sollte ein anderes Bild wählen, denke ich. Eines, das mich noch mehr ablenkt. Mein Italien-Album habe ich vorerst zur Seite geschoben. Und doch tröstet mich diese bunte, schon ein wenig verblichene Fotografie, wahrscheinlich deshalb, weil sie Teil der Vergangenheit ist, Teil davon, dass wir, meine Schwestern und ich, den Verlust des Vaters überwunden haben.

Auch das, was uns jetzt hilflos macht, wird verschwinden. Daran glaube ich, und weil ich es im Inneren so gut verstanden habe, will ich zu Hause ausharren, abwarten, durchhalten und mich immer wieder mit Bildern aus der Vergangenheit besänftigen.