Der Maschinenraum hält als Metapher Einzug in die Kommunikation der Krisenstäbe. So sprachen diese Woche Kanzler und Vizekanzler davon als dem Ort, wo Entscheidungen getroffen würden; und sie wären exakt dort zu finden. Das ist falsch. Wenn man sich schon nautischer Metaphorik bedient, dann wäre das die Kommandobrücke. Im Maschinenraum tun - wie man aus Schiffskatastrophenfilmen weiß - subalterne, dreckverschmierte Gestalten Dienst, sie schaufeln Kohle, bedienen Stellräder, heizen den Kessel. Aber, ja, ohne sie wäre die Brückenbesatzung mit Kapitänspatent verloren.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

An schiefen Bildern, unzulässigen Vergleichen und gewagten Gedanken mangelt es derzeit wahrlich nicht. Aber wir - und ich nehme jetzt absichtlich das pathetische "Wir" in den Mund, wie es Politiker bei jeder Gelegenheit gern tun - müssen lernen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, Wesentliches von Nebensächlichem, Realität von Fiktion. Und das rasch. Die Kernfrage lautet, ob man weiter auf restriktive (und zunehmend repressive) Maßnahmen gegen eine Pandemie setzt oder, in striktem Gegensatz dazu, rasch wieder die Wirtschaft ankurbelt, statt Desinfektionsmittel Optimismus versprüht und ein vergleichsweise normales Alltagsleben zulässt. Weichenstellung: demnächst.

Ich habe dazu keine wissenschaftlich fundierte Meinung. Und stelle eine einzige Frage in den Raum: Kann eine Gesellschaft, in der auf Jahre hinaus biologisch begründetes Misstrauen herrschen wird, überhaupt zu so etwas wie Normalität zurückkehren? Man muss kein Tourismusmanager oder Oberarzt sein, um die Dringlichkeit zu spüren. Kühle Darwinisten würden antworten: Das Verrecken von Millionen Menschen hat uns bis dato auch nicht geschert, die Welt ist, wie sie ist, der Lebens- und Überlebenskampf bis hinein in die kleinsten Wirtschafts-, Kultur- und Privaträume ist unser Schicksal.

Aber ich bin kein Darwinist. Und weiß mich als Mensch von einer Bestie zu unterscheiden. So hoffe ich zumindest, und, fatal banal, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Genug der Herumphilosophiererei im Homeoffice. Gut von Böse zu trennen, ist aber auch hierorts eine Frage, die sich ständig stellt. Ein Beispiel dafür ist Zoom: Das ist eine kleine, in ihren Basisfunktionen gratis erhätliche Software für Video-Konferenzen im Web. Gut, das können andere Programme auch (von Microsoft Teams bis Skype), aber tatsächlich scheint es mir via Zoom simpler, unkomplexer und in puncto Audio- und Videoqualität besser zu funktionieren als mit den genannten Alternativen (eine brauchbare Netzbandbreite vorausgesetzt). "Die Corona-Krise wirkt wie eine gigantische Werbekampagne für die Software", konstatierte "Der Spiegel". Und warnte zugleich, wie viele andere Medien, vor deren Gebrauch. Aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen. Man kann beim geringsten Zweifel dazu die Details - nebst unzähligen mahnenden Stimmen - im Netz finden.

Bin ich, sind wir also einmal mehr Opfer eines Herdentriebs? Oder sollten wir jetzt nicht zu kleinlich oder gar latent panisch sein mit all unseren Bedenken? Zoom hält gerade meine kleine Firma am Laufen, das funkt. Aber ob ich in ein, zwei Jahren immer noch diesem Pragmatismus anhänge und meine Liebe überlebt, wird sich erst weisen.