Wenigstens werden interessante Frisuren dabei rauskommen. Die Kinder daheim zu unterrichten, kriegen wir Österreicher gerade noch hin. Und sollte das Zeugnis nach dem Homeoffice nicht ganz so gut ausfallen wie erwartet, so möge man sich als p.t. Erziehungsberechtigter doch bitte an die eigenen Schulnoten erinnern. In den allermeisten Fällen stellt sich dabei schnell ein Zusammenhang her.

Dem Nachwuchs auch noch die Haare zu schneiden, dürfte dagegen ungleich schwieriger werden. Meine Mutter hat das mal bei mir versucht. Ich war damals elf Jahre alt. Bevor meine Mutter zur Haarschere griff, wollte ich aussehen wie einer der Beatles. Als sie fertig war, sah ich aus wie einer, der aussehen wollte wie einer der Beatles. Den feinen Unterschied hat meine Mutter bis zu ihrem Tod nicht verstanden. Aber ich habe zwei Tage lang geweint. Dann durfte ich zu einem richtigen Friseur.
Wer Anfang der 7oer-Jahre in Kärnten von der eigenen Mutter eine Frisur verpasst bekommt, für die zeitgleich in London jeder Punkrocker seine Lieblingsratte hergegeben hätte, der kann sich ungefähr vorstellen, wie Wien in wenigen Wochen aussehen wird. Da die, die gute Gründe für einen gelungenen Haarschnitt angeben können. Dort wir.

Kann ja nicht gleich jeder mit einer Friseurfachkraft zusammenleben. Zum Arzt darfst du im Notfall. Zum Friseur nicht einmal dann. Obwohl da der Notfall viel leichter zu erkennen wäre. Fitbleiben im Homeoffice. Klingt gut. Gilt nur leider nicht für den Kopf.

Muss man eben Maßstäbe setzen. Momentan schaue ich aus wie etwas, das allein sehr tief im Wald wohnt. Wer nicht rechtzeitig an den Friseur gedacht hat, den bestraft die Sperrstunde bitter. Wochen über Wochen über Wochen gibt es nur mich, meinen Kopf und die Nagelschere. Bald betrifft uns das alle. Dann fühle ich mich wohl. Dann fühle ich mich nicht mehr so allein auf der Straße.

Gestern habe ich von meinem Friseur geträumt. Vor der Krise hätte mich so ein Traum nervös gemacht. Heute ist das ganz normal.