Der ehemaligen "Kurier"-Journalistin und Buchautorin Livia Klingl, sie ist auch bekannt für ihre scharfzüngigen Bemerkungen auf Twitter, ist es sofort aufgefallen: In einem Ö1-Abendjournal wurde berichtet, dass "Gesichtsschilder nun als Alternative zum Mund- und Nasenschutz ausdrücklich erlaubt sind". Gesichtsschilder? Was kann das sein? Ich kenne Straßenschilder, Türschilder und Schildermacher. Aber Gesichtsschilder?

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Ich bin dann draufgekommen, dass das Phänomen "Schilder vorm Kopf" auch auf Firmenseiten im Internet auftaucht. So produziert das Welser Unternehmen Austriaplastics "Corona-Schutzschilder". Die Firma Berner, verkauft "Schutzbrillen und Schutzschilder" - hauptsächlich für das Kfz- und Bauhandwerk. Vielleicht steht auf den Schutzschildern, dass Schutzbrillen zu tragen sind.

Es ist erstaunlich, wie oft diese zwei Wörter, ein Neutrum und ein Maskulinum, miteinander verwechselt werden. Das Schild, Mehrzahl die Schilder, bedeutet Tafel, Platte mit einem Zeichen, einer Aufschrift oder Ähnlichem. Der Schild, Mehrzahl die Schilde, hat verschiedenen Bedeutungen. Die ursprüngliche lässt sich so umschreiben: ein flächiger Gegenstand, der vor den Körper gehalten wird und dem Kämpfenden zur Abwehr von Attacken mit Hieb- und Stichwaffen dient. Gesichtsschilde sollen den Träger vor Viren, Bazillen oder Partikeln schützen. Im technischen Bereich ist eine Schutzplatte gemeint, zum Beispiel der Hitzeschild bei Raumkapseln oder die Ummantelung eines Reaktorkerns.

Ich habe mir dann jene Meldung herausgesucht, die Basis für die Berichterstattung im Abendjournal war. In einer gemeinsamen Presseaussendung der Minister Aschbacher und Anschober ist nicht von Schilden die Rede, sondern von Visieren - dieses Wort ist nicht fehleranfällig. In der Aussendung wird darauf hingewiesen, dass seit 1. Mai "sowohl das Gesichtsvisier als auch der Mund-Nasen-Schutz erlaubt ist".

In den früheren Verordnungen klang die Definition so: "eine den Mund- und Nasenbereich gut abdeckende mechanische Schutzvorrichtung als Barriere gegen Tröpfcheninfektion". In der neuen Verordnung ist der Text nahezu ident, nur das Wort "gut" fehlt. Das Visier gilt also als eine mechanische Schutzvorrichtung, die den Mund- und Nasenbereich zwar abdeckt, allerdings "nicht gut". Gemeint ist wohl: nicht eng anliegend.

Mir ist noch etwas anderes aufgefallen: Immer war davon die Rede, dass zwischen einem Mund-Nasen-Schutz und den Masken vom Typ FFP1, FFP2 und FFP3 zu unterscheiden ist. Der MNS dient, so wurde uns eingebläut, primär dem Schutz anderer. Tröpfchen beim Sprechen, Husten oder Niesen werden zurückgehalten. Die viel teureren "echten Masken" filtern hingegen Partikel aus der Atemluft, sie schützen also den Träger. Sie werden nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch im Industrie- und Gewerbebereich verwendet. FFP-Masken waren eine Zeit lang rar, inzwischen bekommt man sie in vielen Apotheken. Um Familienmitglieder mit Vorerkrankungen zu schützen, trage ich eine FFP2 Maske beim Einkauf. In einer großzügigen Auslegung der Presseaussendung darf ich das wahrscheinlich sogar.