Am Beginn des Lockdowns hab ich echt gedacht: Tja, das war’s jetzt. Das ist das Ende. Der Welt? Der Menschheit? Meines? Nein, das Ende der Wegwerfgesellschaft. Aber war wohl falscher Alarm. Seit wieder alle Geschäfte offen haben, ist mein Mistkübel jedenfalls auch wieder voller.

Dabei war das Ende so nah. Dauernd hat aus dem Fernseher irgendwer auf mich eingeredet, ich solle meinen Einmal-Mund-Nasen-Schutz unbedingt falsch tragen, nämlich mehrmals, was mir sehr unhygienisch vorgekommen ist und woraufhin ich aufgehört habe, meinen Kleiderschrank auszumisten, lieber alles wieder eingeräumt habe, damit ich mir aus den alten Sachen irgendwann Masken nähen kann, die wenigstens waschbar sind. Und dann hab ich auch noch ein Joghurt gegessen, das schon seit einem Monat abgelaufen war. VOR Corona hätte ich nicht einmal unter den Deckel geschaut. Also niemals erfahren, wie ein einen Monat abgelaufenes Erdbeerjoghurt überhaupt schmeckt. Und wie schmeckt’s? Nach Erdbeeren.

Schuld war eigentlich die Apothekerin: "Nicht wegschmeißen, wenn’s leer ist!" (Da hatte ich für ein Mini-Fläschchen von ihrem Desinfektionsmittel grad 5,90 Euro gezahlt.) Das könne man wiederbefüllen. Denn diese Flascherln (Plastik, wohlgemerkt) wären kaum noch zu kriegen. Im Ernst? Auf dem "Plastic Planet" wurde das Plastik knapp? War der Fingerhut voll Desinfektionsmittel deshalb so teuer? Wegen dem wertvollen Fingerhut? Und bevor das Erdbeerjoghurt plötzlich 5,90 Euro kosten würde statt 62 Cent, weil jemand draufgekommen ist, dass Joghurtbecher ebenfalls aus Plastik sind, hab ich natürlich g’schwind ein paar Stück gekauft. Okay, mehr als ein paar. Durch Corona ist mir halt erst bewusst geworden, welche Dinge wirklich wichtig sind im Leben: Klopapier und Erdbeerjoghurt. Früher hätte ich außerdem nie einen Katastrophenvorrat angelegt. Dosen und so. Weil ich Dosenfutter nicht mag. Am wenigsten Gulasch. Doch ausgerechnet das hatte leider das längste Haltbarkeitsdatum. 2023! Oder zum Glück. So kann ich es mir noch ein bissl aufheben. Für die ZWEITE Welle. Und wenn’s keine zweite GIBT? Dann eben für die dritte. Zum Überleben braucht man nun einmal viele, viele Dosen. Der Rote-Rüben-Salat im Glas könnte allerdings zum Problem werden. Der hält nur bis nächstes Jahr. 15 Gläser! Was hab ich mir bloß dabei gedacht, bitte? Na ja, dass Gemüse gesund ist. Wenn ich mich VOR Corona gesünder ernähren wollte, ist mir im letzten Moment immer was dazwischengekommen (eine Topfengolatsche, ein Packerl Chips . . .) und nachher hab ich mein ganzes Gemüsefach in die Biotonne kippen müssen. Das wird mir mit den roten Rüben nicht passieren. GEKOCHTES Gemüse ("Durch sorgfältiges Erhitzen haltbar gemacht") gehört schließlich nicht in die Biotonne, sondern in den Restmüll.

Dort kann man übrigens auch endlich die Mehrweg-Wegwerfmaske entsorgen, die man Anfang April beim Einkaufen geschenkt bekommen hat. Inzwischen kriegt man die Dinger im Supermarkt ja sogar in der 50-Stück-Packung. He, das Erdbeerjoghurt in meinem Kühlschrank ist wieder abgelaufen. Ich könnte es gegen ein frisches austauschen. Kostet eh noch 62 Cent. Alles beim Alten.