Irgendwie treibt diese ganze Sache mit Corona immer verrücktere Blüten. Erst stirbt ausgerechnet Rüdiger Nehberg, Deutschlands oberster Überlebenskünstler (Spitzname: Sir Vival), zum Glück nicht an Covid-19, aber man denkt doch, wenn das kein böses Omen ist ... Dann verkündet der neue Berliner Flughafen doch tatsächlich seine Eröffnung für den Herbst, obwohl ihn jetzt eigentlich kaum jemand so wirklich braucht.

Wann war der Himmel zuletzt so makellos blau? Und dann ereilt uns Münchner die niederschmetternde Nachricht, dass in diesem Jahr das Oktoberfest ausfällt. Ein Altweibersommer ohne Wies’n? Eigentlich genauso undenkbar wie Ischgl ohne Après-Ski, aber nun ist der Albtraum aller Tracht- und Bierliebhaber doch wahr geworden. Corona erweist sich als die größte Spaßbremse seit dem Zweiten Weltkrieg.

Angesichts dessen blicken wir Deutsche voller Neid nach Österreich. Dort, so scheint uns ewig diskutierenden, ständig nörgelnden Piefkes, haben sie alles richtig gemacht: Den Kurz dekretieren lassen (täusche ich mich, oder stehen seine Ohren vom vielen Maskentragen noch ein bisschen mehr ab?), nicht widersprochen (selbst Armin Wolf ist jetzt ein Schaf - mit Backenpelz), sich den Anweisungen der Polizei gefügt, selbst wenn sie arglose Wanderer an ihrem Tun gehindert hat. Bei uns dagegen bestimmt ein kakofonischer Chor von Virologen das Geschehen, und jeder kürt jenen Experten zur Autorität, der den eigenen Ansichten am ehesten entspricht. Ach, tu felix Austria, hast dich in Zeiten der Ungewissheit einfach deinem Kanzler ergeben. Der wird schon wissen, was richtig ist. "Struktur ist alles", sagt Josef Hader; bei uns in Deutschland gibt’s vielleicht mehr Intensivbetten und Beatmungsgeräte, aber keine klare Linie.

Und so stand ich jüngst im Traum an der Grenze nach Oberösterreich, ein schmaler Feldweg führte hinüber ins gelobte Land, doch ein panzerartiges Gefährt versperrte mir den Weg. Wo einst deutsche Truppen hinübermarschierten, um Österreich "heim ins Reich" zu holen, stand ich nun und wünschte mir nichts sehnlicher, als dass zumindest Bayern vom kleinen Bruder "angeschlossen" würde.

"Restaurantöffnungen", "Urlaub", schallte es zu mir herüber, seit 1. Mai ist sogar Bogenschießen wieder erlaubt. Flehentlich bat ich die streng dreinblickenden Beamten, mich einzulassen oder wenigstens bei uns einzumarschieren. Auch mein Antrag auf "Corona-Asyl" machte keinen Eindruck, im Gegenteil. Harsch wurde mir bedeutet, 2015 werde sich nicht wiederholen. Als ich erwachte, dachte ich an Rüdiger Nehberg; vielleicht war er gar nicht tot, sondern nur in einem anderen, besseren Land. Vielleicht in Österreich .