Stellen Sie sich bitte gut mit mir. Ich bin mächtig. Unglaublich mächtig. Mit nur ein, zwei Pointen kann ich Sie aus ihrem Job kegeln. Glauben Sie nicht?

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Verstehe ich. Meine Kollegen und ich arbeiten auch mit zweideutigen Äußerungen, in kleinen, versteckten Theatern, betreut von Menschen, die stets im Dunklen bleiben (Licht- und Tontechnikern). Deshalb wissen auch nicht alle, wie einflussreich wir wirklich sind.

Peter Schröcksnadel etwa findet es in einem Interview immer noch "problematisch, wenn Virologen Politik machen". Das ist für ihn natürlich einerseits neu, da er es gewohnt ist, dass Liftbetreiber und Schneekanonenhersteller Politik machen. Andererseits liegt er völlig daneben. Denn die Macht im Staate Österreich liegt bei den Kabarettisten. Bestes Beispiel: der Rücktritt der Frau Staatssekretärin Lunacek. Da hat die Republik jetzt aufgehorcht. Denn hier wurde die Macht der humoristischen Bedrohung zum ersten Mal evident.

Vergessen ist der Auftritt des Kanzlers im Kleinwalsertal, wo sich die Gläubigen . . . äh . . . Staatsbürger, um den großen Vorsitzenden geschart haben. Und auch die Aufforderung, das Ortsbild "zu beflaggen", ist gelöscht und vergessen.

Und wir wollen auch nicht mehr über die Presseförderung der Bundesregierung sprechen, die sich nach der Höhe der Auflage bemisst. Warum auch? Dass sich die Auflagen an den Auflagen orientieren, ist doch eigentlich aufg’legt. Und über die geplante Aufhebung der Sektsteuer redet auch keiner mehr. Das ist doch alter Schaumwein in neuen Schlöchern... äh . . . Schläuchen.

Aktuell dagegen: die Aussagen der Ex-Staatssekretärin.

"Kritik ist das Salz der Demokratie", sagt Lunacek. Das ist wohl auch der tiefere Grund, dass nach ihrer Erklärung keine Fragen zugelassen wurden. Eine Art der äußerst kritischen Politik-Performance, die man so schön nicht mehr seit Kickl, Hofer, Strache und Kurz im Mai 2019 gehört hat. Überhaupt machte Lunacek nach ihrem Auftritt, der streckenweise an eine Tagebuch-Lesung "Meine fünf Monate im Staatssekretariat" erinnerte, einen etwas versalzenen Eindruck. So erfuhr die interessierte Zuhörerschaft, was Lunacek nach ihrem Rücktritt tun wolle. Das ist schön, aber viele Kulturschaffenden hätten es eben auch begrüßt zu erfahren, was sie denn vorher gemacht hatte. Ein Buch werde sie lesen, und sich die Programme von Stermann und Grissemann und Lukas Resetarits anschauen und beobachten, ob sie dort so viel Kritikwürdiges finde wie die bei ihrem Programm. Ein Staatssekretär, wer dabei Böses denkt. Oder gar die Selbstbesalzung vermisst. Denn das Problem dabei ist: Das Programm einer Kulturstaatssekretärin - im Gegensatz zu einem Kabarett-Programm - soll nicht lustig sein. Sondern effektiv. Lustig ist subjektive Geschmackssache, Effektivität dagegen objektiv messbar. Zum Beispiel an der Tatsache, ob man Geld bekommt - oder eben nicht.

Aber lassen wir das, fest steht: Österreich ist wohl das einzige Land der Welt, in der Kabarettisten ein Mitglied der Regierung zum Rücktritt gebracht haben. Und da - laut Lunacek - Österreichs Kunst und Kultur weltweit in der Champions-League spielen, folgt daraus: Wir, österreichische Kabarettisten, sind eine Weltmacht. Zumindest bei den Grünen. Danke! Im Anschluss an diese Kolumne sind leider keine Fragen zugelassen.