Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.
Holger Rust, geboren 1946, ist Publizist und Professor für Soziologie in Hannover.

Aktien! Soll man jetzt wieder oder erstmalig einsteigen? Natürlich einsteigen, schreiben die meisten Experten.

Gefahren gäbe es, klar, sagen sie auch. Aber die seien zu bewältigen, es sei denn, sie sind es nicht, aber es kann ja sein, und wir wissen doch, langfristig geht es sowieso nur aufwärts, das zeigt die Geschichte, wiewohl man nie alle Eier in einen Korb legen solle, sondern diversifizieren, also nicht nur alle Eier nicht in einen Korb legen, sondern alles Mögliche in viele Körbe, wobei wiederum am besten ETFs sind, die allerdings, dann, wenn alle sie haben und alle sie in Notfällen bräuchten, das Risiko eines Crashes beflügeln, weil es praktisch dann doch nur Eier sind, also im metaphorischen Sinne, wenngleich nicht in einem Korb. Aber Eier, so habe ich gelernt, die nichts wert sind, sind auch dann nichts wert, wenn sie in verschiedenen Körben liegen.

Was ich noch mitgekriegt habe, ist, dass man am besten kauft, wenn die Kurse unten sind, und verkauft, wenn sie hoch sind. Es sei denn, die Kurse steigen noch weiter, falls sie nicht doch sinken. Um aber nicht zu verlieren, wenn man schon gekauft hat, kann man eine Stop-Loss-Order geben, die dann automatisch verkauft, wenn es abwärts geht, worauf man dann beruhigt in Urlaub fahren bzw. derzeit zu Hause in Ruhe Filme anschauen kann.

Wenn es dann nach unten geht, und zwar über die Stop-Loss-Order-Grenze hinaus, wird verkauft. Natürlich gibt es Gefahren, vor allem, wenn die Kurse aus Gründen, die kein Mensch versteht, wieder nach oben schnellen. Über eine Stop-Stop- oder Buy-Back-Order habe ich noch nie was gelesen. Aber das ist ja nicht das ganze Geheimnis. Denn der Wert der Börse liegt auch darin, dass man Teilhaber von Unternehmen ist und dafür eine Teilhabe ("Dividende") erhält. Und "Dividende ist der neue Zins". Was sich gerade ja bestätigt, denn nun ("in Zeiten von Corona") gibt es von vielen Unternehmen keine Dividende mehr, was gerecht ist, weil die im Augenblick staatliche Hilfen anstreben, Steuergelder. Das bedeutet, wenn ich es richtig verstehe, dass ich jetzt sowohl keinen Zins als auch keine Dividende erhalte, weil ich als Steuerzahler für die Hilfen aufkommen muss, aufgrund derer ich diese Teilhabe nicht mehr vergütet bekomme.

Vielleicht Sachwerte? Auch zweifelhaft, wie man an der geplatzten Blase mit den Investitionen in Klopapier sieht. Also doch Gold? Immer gut, sagten schon meine Großeltern. Allerdings, warnen andere, kann Gold leicht geklaut werden und hat dann überhaupt keinen Wert mehr. Es sei denn, man verwahrt es in einem Depot, das ist aber teuer und auch da kann eingebrochen werden. Als Liebhaber französischer Filmklassiker sage ich nur: Tunnel! Wobei sich die Frage aufdrängt, ob Gold für die, die es geklaut haben, auch gefährlich ist. Verwirrend.

Gut also, dass die Gastronomie wieder geöffnet hat, dass man die üblichen Spezialisten fragen kann, also jene, die immer nur Gewinne gemacht haben.