Unser Stammtisch traf sich 14-tägig in einem Kaffeehaus, das aufgrund seiner räumlichen Gegebenheiten besonders schmale Tische hat: Wäre der Tisch normal breit, dann wäre der Gang dahinter zu schmal, damit noch jemand vorbeigehen könnte. Wenn man sich an so einem vielleicht 60 Zentimeter breiten Tisch gegenübersitzt, kann man kaum einen Meter Abstand halten.

In der Vor-Corona-Zeit waren wir zwischen vier und acht Personen, die sich dort trafen. Insgesamt umfasst das Reservoir unseres Stammtisches vier Paare und zwei Singles. Wenn wir uns an einem der kommenden Dienstage nun wieder treffen würden, müssten wir erstens das Lokal wechseln, weil, wie gesagt, der Tisch zu wenig Tiefe hat, und, zweitens müssten wir uns vorab miteinander verabreden, nach dem Motto: Wenn du kommst, dann bleibe ich zu Hause. Oder gelten Paare, die in einem Haushalt leben, als eine Entität? Sind, anders gefragt, vier Erwachsene an einem Wirtshaustisch in absoluten Zahlen zu messen, oder gelten im selben Haushalt lebende Paare als eine Einheit? Solche Überlegungen mindern meine Vorfreude erheblich.

Meine Freundin R. erzählte, dass die Geschäfte in der Kleinstadt, deren Stadtplatz sie von ihrem Büro aus überblickt, zwar offen seien, aber dennoch kämen kaum Kunden. Wer, fragte sie mich, habe schon Lust, sich eine Bluse auszusuchen, wenn man dabei einen Mund- und Nasenschutz tragen muss? Sie selber will jedenfalls mit dem Einkaufen warten, bis sie ohne Maske kommen darf.

Eigentlich sollte ich längst zum Friseur. Aber ich habe mich noch nicht einmal nach den Regeln dort erkundigt. Meine Haare werden lang und länger. Wenn mir das nächste Mal beim hektischen Aufsetzen der Gummi an der Maske abreißt, halte ich mir meine Corona-Haare vor das Gesicht. Am Sonntag war ich in der Messe: Mit Mundschutz. Die Ministranten und der Pfarrer sahen aus, als ob sie gleich zu einer neuartigen liturgischen Operation auf dem Altartisch schreiten würden. De facto war aber nur die Messfeier ausgedünnt. Weniger Leute, weniger Gesang und kein Friedensgruß etc. In der Predigt sprach der Pfarrer darüber, was wir uns aus der Zeit der Beschränkung an Positivem mitnehmen könnten. Die Frage, was wirklich wichtig sei, mögen wir weiter bedenken. Und er meinte, dass die eigentliche Bewährungsprobe erst vor uns läge, sprich die wirtschaftlichen Sorgen.

Weil sich mir wegen der Maske ständig die Brille beschlug, hörte ich merkwürdigerweise auch nicht gut. Nach der Messe hatte ich eine Art Reizhusten, ausgelöst von der flachen Atmerei. Aber möglicherweise gehe ich trotzdem wieder hin, denn die Leute in der Kirche wirkten nicht verschreckt. Das hebt meine Stimmung.