Das österreichische Bundesheer ist zweifelsohne eine der schillerndsten Organisationen dieser Republik. Es ist vielleicht nicht so genau beim Rechnen wie das Finanzministerium und nicht so gut gereinigt wie die Bediensteten der städtischen Bäder, aber dafür vielseitig einsetzbar.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

So haben Angehörige des österreichischen Bundesheeres seit dem 17. März mindestens 1,2 Millionen Arbeitsstunden außerhalb ihrer Kernkompetenzen (schießen, marschieren, Wache schieben, sich vom Unteroffizier anbrüllen lassen) geleistet. Und zwar in allen denkbaren und undenkbaren Tätigkeitsfeldern.

Angehörige des Bundesheeres haben nicht nur Grenzen kontrolliert und Gesundheitstests durchgeführt, sondern auch noch Masken verteilt ("Die ist für den Batman, die ist für den Spiderman, die ist für den Fasching"), Telefondienst bei einer Hotline des Außenministeriums gemacht ("Hello, oh oh, Vienna Calling!"), am Flughafen Linz Ladetätigkeiten übernommen ("Ein Packerl für die Mostschädeln, no a Packerl für die Mostschädeln. Und noch eines . . .") und natürlich - jetzt gerade viel in den Medien - Aushilfstätigkeiten in den

Verteilerzentren der Post in Hagenbrunn und Inzersdorf geleistet.

Dort haben sie in den vergangenen Tagen jene Leiharbeiter ersetzt, die unter gesundheitlichen Bedingungen, von denen indische Wanderarbeiter nur träumen können (aber auch nur die), sich mit dem beliebtesten Virus, seit es Leichtbier-Witze gibt, angesteckt haben. Dass jetzt schon zwei Vertreter des Bundesheeres selbst positiv auf das Virus getestet worden sind, ist da nur logisch.

Man stelle sich nur einmal vor, die Bediensteten der städtischen Bäder hätten solche Aufgaben übernommen. Da hätten die Anrufer beim Außenministerium stets nur die Antwort bekommen: "Ich weiß auch nicht, wie sie von Zentralafrika wieder hierher kommen. Aber eines sag ich Ihnen: Ob Schwimm- oder Kongo-Becken: Nicht vom Beckenrand springen!" Oder die Mitarbeiter des Finanzministeriums wären am Telefon gesessen: "Wo die Briefe sind? Keine Ahnung. Aber ich hab jetzt die Mindestbemessungsgrundlage für alle österreichischen Postleitzahlen ausgerechnet."

Ob jetzt neue Aufgaben auf das Bundesheer zukommen, weiß man nicht. Freilich sind Einsätze als Erntehelfer denkbar. Oder das Bundesheer muss Ordnungshüter an den demnächst völlig überfüllten österreichischen Badeseen spielen. Hierbei wird eine Nahkampfausbildung mit Sicherheit von Vorteil sein.

Oder natürlich das Wesentlichste von allen: Assistenzeinsatz als Fußballfans bei den Geisterspielen der österreichischen Bundesliga. Auf Kommando aufstehen und niedersetzen, sinnfreie Dinge im Chor brüllen und regelmäßig "Jetzt schieß doch endlich!" schreien, das sollte jeder Angehörige des österreichischen Bundesheeres mit Leichtigkeit bewältigen können.

Insofern sei auch allen Lehrlingen, die dieses Jahr keinen Praktikumsplatz bekommen, weil die betroffenen Betriebe pleitegehen, geraten: Wo will dich wer? Beim Militär! Und die schlechte Bezahlung dürften ja die Lehrlinge sowieso gewohnt sein. Und dass man beim Einsatz keine Fragen stellen darf, ist ja nur logisch: Es heißt ja schließlich auch Assistenz-Einsatz und nicht Assistenz-Dialog.

Also: Wegtreten!