Vorsichtigen Schätzungen zufolge bevölkern rund 1,5 Millionen Katzen und 600.000 Hunde die Häuser und Wohnungen von Herrn und Frau Österreicher. Dazu gesellt sich noch allerlei anderes Getier, von der Schildkröte bis zum Papagei, meist mit viel Liebe gehegt und gepflegt, gelten sie gewissermaßen als Mitglieder der Familie.

Eine derart enge Beziehung zu domestizierten Tieren lässt sich bereits erstaunlich früh nachweisen: Schon die Menschen der Jungsteinzeit fanden in Hunden verlässliche Begleiter bei der Jagd und stellten diese auch in ihren Wandmalereien dar. Im alten Ägypten wurden viele Tiere als Sitz von Göttern betrachtet und solcherart besonders verehrt, und zwar nicht nur besonders imposante Exemplare, sondern auch so scheinbar unattraktive Insekten wie die Mistkäfer. Im alten Orient galt auch der Frosch als Symbol der Fruchtbarkeit, weshalb man seine Bestandteile mit Vorliebe zu allerlei Heilmittelchen verarbeitete.

Einen wahren Boom erlebte die Haustierhaltung bei den alten Römern, wobei exotische Haustiere für die Oberschicht eine Art Statussymbol darstellten: Der in höchsten Kreisen verkehrende Dichter Ovid besang den Tod eines Papageis, und Kaiser Tiberius soll seine Lieblingsschlange selbst gefüttert haben. Der Durchschnittsrömer blieb allerdings meist beim Hund als Freund und Schützer; kein Besuch in Pompeji ohne einen Blick auf das "Cave canem"-Mosaik, das auf die Wachsamkeit des Haushundes hinweisen und potentielle Einbrecher abschrecken sollte.

Die Katze wurde dagegen nicht nur als Haustier gehalten, sondern darüber hinaus kultisch verehrt: Sie ruhte zu Füßen der Freiheitsgöttin Libertas, denn sie galt als freiestes aller tierischen Geschöpfe. Überhaupt dienten viele Tiere als Begleiter von Göttern und Göttinnen. Was wäre der griechische Heilgott Asklepios ohne die Schlange, die ihre schlechte Presse erst durch das Christentum bekam? Dafür erlangte der für die alten Römer an sich uninteressante Fisch als Symbol Christi in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung ungeahnte Bedeutung.

Von den Vögeln galt im alten Griechenland die Eule als der weiseste. Sie war das Symbol Athens und der Stadtgöttin Athena, weshalb sie auch das athenische Stadtwappen und die begehrten Münzen der antiken Metropole zierte. Der König der Vögel war aber der Adler. In Griechenland war er das heilige Tier von Göttervater Zeus, in das er sich auch verwandelte. Bei Griechen, Etruskern und Römern nahm der Herr der Lüfte den ersten Rang unter den Orakelvögeln ein. Bei den Römern war er noch viel mehr, er diente als kaiserliches Wappentier und als militärisches Symbol des siegreichen römischen Reichsgedankens.