Vergessen wir jetzt mal für ein paar Minuten Corona, die Krise, den Wirtschaftseinbruch und die falschen Zahlen im Budget der Bundesregierung und wenden uns lustigeren Dingen zu. Und, nein, ich meine jetzt nicht den zu lang geratenen Aufenthalt des Bundespräsidenten in einem Schanigarten. Schließlich hat er seinen Fehler ja eingesehen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es im Land der Vierteln, Achteln, Krügerln, Seidln und Stamperln irgendwer dem obersten Repräsentanten der Republik ernsthaft übel nehmen kann, wenn er zu lange bei Tisch sitzt. Und zweitens hat der Herr Bundespräsident auch nicht gesagt: "Das bin nicht ich."

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Womit wir wieder bei Ibiza wären: Die Behörden sind nun im Besitz des Videos, und just der Hauptdarsteller, der seit Monaten getrommelt hat, er möchte endlich das ganze Video sehen, ist jetzt gegen eine Veröffentlichung.

"Das Video soll nicht veröffentlicht werden, weil wie kommen andere Leute dazu, über die ich hässliche, ungeprüfte, grausliche Gerüchte verbreitet habe", sagte Strache in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Diese Zärtlichkeit gegenüber seinen Mitmenschen ist eine völlig neue Seite der Strache’schen Persönlichkeit. Hat er noch vor ein paar Jahren darüber fantasiert, dass abgeschobene Asylwerber sich im Flugzeug "anurinieren" können, möchte er heute nicht, dass andere sehen können, wie er - bildlich gesprochen - dritte sprachlich anuriniert.

Denn man kann es sich ja denken, was Strache da so von sich gibt. Vermutlich sagt er Fürchterliches wie: "Kürzlich war ich bei einem Libanesen essen... Das war so gut. Ich mag ja die orientalische Lebensart. Ich finde ja, die Araber sind echt leiwande Leute." Oder Überraschendes: "Die Sozialdemokratie hat keinen größeren Bewunderer als mich. Wenn ich könnte, würde ich sofort in die SPÖ eintreten. Leider erlaubt das meine Mama nicht."

Oder auch Privateres: "Unter uns: Die Philippa kann überhaupt nicht kochen."

Und auch das Bild seiner Mitstreiter könnte sich ändern: "Der Kickl ist in Wahrheit ganz ein Lieber. Bisschen schüchtern vielleicht, aber an sich völlig harmlos." Und auch das seiner angeblichen Gegner: "Ich lese sehr gerne zuhause die Theaterstücke von der Jelinek. Ständig. Ich kann die alle auswendig." Oder etwas über seine Karriereplanung: "Eines werde ich sicher nie: Sportminister. Schau mich an... wer sollte das glauben?" Über Lieblingslokale: "Die Prateralm? Geh bitte: Die Leute, die dort arbeiten, das Publikum, die Gäste, das Essen, das Trinken... Das ist alles einfach nur widerlich!" Allzu Menschliches: "Tschetschenen? Mei, das sind auch nur Leute wie Du und ich. Muss man auch einmal verstehen." Oder über abwesende Anwesende: "Psst! Ich verrat Euch was: Ich kann selbst fließend Russisch. Den Gudenus hab ich nur mit, weil der immer so lustig umananda hampelt. Der ist ein echter Körperclown. Aber Achtung, jetzt kommt er wieder."

Und natürlich über ganz persönliche, heimliche Träume: "Was ich mir wünsche? Dass mal jemand einen Film über mich macht. So wie ich wirklich bin. So wie jetzt."

Um dann nach einer kurzen Pause hinzuzufügen: "Aber bitte nicht der Gabriel Barylli."