Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der Wiener Zeitung.
Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der Wiener Zeitung.

Im Jahr 2017 erwies sich die US-Band Sparks entweder als visionär - oder sie berichtete noch ohne unser Wissen aus dem Innersten des Erkenntnisbereiches. Jedenfalls hieß es im Song "Hippopotamus" auf dem Album "Hippopotamus", dessen Cover die Brüder Ron und Russell Mael dabei zeigt, wie sie einen Hippopotamus in ihrem Pool entdecken: "There’s a hippopotamus in my pool. How did it get there? I don’t know."

Daran erinnerte man sich zuletzt angesichts aktueller Meldungen aus dem sogenannten "Problemmilieu" der Heimat der Sparks, den vor allem von Jungmillionärinnen und Jungmillionären besiedelten Hollywood Hills in Los Angeles. Dort wurde bei ausufernden sogenannten "Corona-Partys" definitiv kein Baby-Elefant Abstand gehalten, wie es bis vor kurzem aus überraschenden Gründen problemlos möglich gewesen wäre: Das Einschleusen exotischer Tiere aus Unterhaltungsgründen (Stichwort Mitternachtseinlage) feierte auf den Anwesen der reichen Partylöwen fröhliche Urständ.

Ein Hippopotamus gibt Rätsel auf: Sparks-Albumcover "Hippopotamus" (2017).
Ein Hippopotamus gibt Rätsel auf: Sparks-Albumcover "Hippopotamus" (2017).

Zweifelsohne dürfte es nun eine interessante Erfahrung sein, in etwa so high wie der Andenkondor bei einem Grätzlkontrollflug über Feuerland neben einer Giraffe im Whirlpool zu sitzen - und sich mit unter der Sonnenbrille gut versteckten Pupillen inmitten der kalifornischen Nacht über seine Lebensrealitäten und das Bankkonto zu wundern. Trotzdem, sprich gerade auch deshalb, wurde dem Treiben ein Ende gesetzt. Ein Erlass verbietet seit Februar nicht nur explizit das Reiten auf Zoobewohnern, wie man es aus alten Bubenfilmen über den Wilden Westen kennt, wo allerdings noch von Pferden herab für und gegen das Recht angeschossen wurde. Er schiebt ganz grundsätzlich auch der Möglichkeit einen Riegel vor, dass sich das Szenario des Sparks-Covers wiederholen könnte. Der Hippopotamus hat also Schwein gehabt.

Weniger gute Nachrichten hingegen aus der Welt der Vögel: Als Vogel des Jahres 2020 erfreut zwar die Turteltaube den Menschen. What the world needs now is love, sweet love: Die Streptopelia turtur mag bereits aus onomatopoetischen Gründen, also wegen ihres Tur-tur-Gesangs, zu ihrem Namen gekommen sein, aber auch das Balzverhalten und der zärtliche Umgang von Frau und Herr Turteltaube miteinander spielen hier eine Rolle - und erinnern uns nicht zuletzt in Zeiten der Krise an die Notwendigkeit des Zusammenhalts. Leider ahnen wir es bereits: Obwohl Partylöwen sich für sie nicht interessieren, ist die Turteltaube bedroht. Nicht nur setzen ihr die industrielle Landwirtschaft, der auch daraus resultierende Lebensraumverlust und vor allem die - je nach Region - legale oder illegale Jagd realiter zu.

Gerade in der Corona-Zeit scheint auch der Titel "Vogel des Jahres" selbst in Gefahr. Hier droht ein Luftkrieg mit dem Pleitegeier - dessen Sieger am Ende der Kuckuck sein könnte.