Am vergangenen Sonntag lief die 900. Ausgabe der ORF-Sendung "Sport am Sonntag" (die es mit ihrem legendären Vorgänger, "Sport am Montag", in Sachen Popularität freilich nie aufnehmen konnte). Dabei sah man als Präsentator der ersten Folge Elmar Oberhauser, dessen Rolle als Sportmoderator man weitgehend vergessen hatte (während einige seiner Politik-Interviews eher in Erinnerung blieben).

Der bärbeißige, auf Sendung immer etwas steif wirkende Vorarlberger war auch einige Jahre Sportchef des ORF. An diese Funktion "Elmos" erinnert der ehemalige Sportkommentator Peter Elstner in seinem neuen Buch, "Boti, bitte steh auf...!" (Seifert Verlag). In dieser Anekdotensammlung, die "Unterhaltsames und Unbekanntes aus dem Spitzensport" bietet, erzählt Elstner, wie ihn Oberhauser mitten während der Olympischen Winterspiele in Nagano 1998 zusammenstauchte, weil er, Elstner, den (Lang-)Lauf von Markus Gandler zur Silbermedaille zu emotional kommentiert hatte.

Elstner, ein bekanntermaßen gefühlsbetonter Reporter, bot seinen sofortigen Rückzug an, wollte diesen aber in einer Pressekonferenz kundtun. "Elmar verkutzte sich, und eigentlich sprachen wir nicht mehr über die Geschichte weiter. (...) Und bis zu meiner Pensionierung kommentierte ich weiter, wie ich es für richtig hielt."

Legendär wurde Elstner nicht nur durch seinen vergeblichen Versuch, in die Kabine des österreichischen Fußball-Nationalteams nach dessen Sieg über die DDR 1989 hineinzugelangen ("Pepi, lass mi eine . . .!", so auch der Titel seines vorletzten Buches), sondern vor allem durch seine Gefühlsausbrüche während der 4 x 10 km-Herrenstaffel bei der Nordischen Ski-WM in der Ramsau 1999, als Österreich zur ersten und einzigen Goldmedaille je lief. Dabei war dem vorletzten Läufer, Michail Botwinow, ein Missgeschick passiert, als er bei einer Abfahrt zu Sturz kam und sein Skistock brach.

"Mein Gott . . . Boti, bitte steh auf!!!", hatte Elstner ins Mikro gefleht (und es damit zu einer späteren Signation im Ö3-Wecker gebracht). Botwinow stand auf, lief weiter - und Schlussläufer Christian Hoffmann rettete den Sieg über die Ziellinie. Elstner druckt seinen mehr als emotionalen Dialog mit Co-Kommentator Rudi Horn im Buch zur Gänze ab - und erinnert auch an das gesamte Drumherum der damaligen Situation. Nur eines vergisst er zu erwähnen: Dass besagte Langläufer, Botwinow wie Hoffmann, später wegen Dopingvergehens verurteilt wurden.

Das kommt in dem Buch an keiner Stelle zur Sprache. Und zeigt die andere Seite des leidenschaftlichen Reporters Elstner, die ihn zu einer übergroßen Loyalität zu (ehemaligen) Sportlern verleitet, die derlei Vergehen einfach ausblendet. Hier wäre ein Oberhauser’scher Verweis nun mehr als angebracht. Schade, denn Elstners Buch ist ansonsten wirklich unterhaltsam und erzählt witzige und rührende Anekdoten, etwa über die letzten Wochen von Ernst Happel, der für Elstner einen speziellen Namen hatte, wenn er etwas von ihm wollte: "Kumm umma da, Zauberer!" Sehr schön. Nur halt bitte nichts wegzaubern.