A: Hast schon g’hört? Es soll jetzt ein Transparenz-Paket kommen?

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

B: Was ist das bitte? Ein durchsichtiges Packerl von der Post?

A: Nein, Transparenz, da geht’s darum, dass man alles sieht.

B: So wie die Netz-Leiberln in die 80er Jahre? Da hab ich gute Erinnerungen an ein paar Mitschülerinnen von damals. -

A: Heast, du bist ein Trottel, nein. Es geht darum, dass man nachvollziehen kann, wer was kriegt. Förderungen zum Beispiel. -

B: Aha! Na, das ist gut. Ich bin schon seit langem der Überzeugung, dass mein Nachbar bei meinem Wochenendhaus zu viel kriegt.

A: Wieso?

B: Weil der ist zehn Jahre jünger als ich und fährt ein doppelt so großes Auto. Das ist doch net fair.

A: Aber darum geht es nicht. Es geht darum, wem was die öffentliche Hand gibt.

B: Die öffentliche Hand? Ist das, wenn einer von den Politiker wieder durchs Land fährt und jedem, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen kann, einen Händedruck aufzwingt?

A: Nein, die öffentliche Hand das sind eigentlich wir alle.

B: Also ich sicher nicht. Schon gar nicht jetzt. Ich wasch mir doch nicht 18 Mal am Tag die Hände, nur damit ich sie dann jedem beliebigen Nasenbohrer auf seine Drecksklebeln press’.

A: Herr, schmeiß’ Hirn vom Himmel!

B: Ist das dann das öffentliche Hirn? -

A: Nein, die öffentliche Hand, das ist die Republik, die Länder, die Gemeinden . . .

B: Ah . . . sag ich ja . . . die Großkopferten, die was dauernd Händeschütteln . . . -

A: Nein, das sind die, die das Geld verteilen.

B: Wo wird Geld verteilt? Warum sagt mir das keiner?

A: Irgendwer muss doch die Schulen zahlen und die Straßen und die Müllabfuhr.

B: Eh. Das macht mein Nachbar vom Wochenendhaus.

A: Der zahlt das alles?

B: Ja, der ist ja schließlich der Bürgermeister. -

A: Aber das ist ja nicht sein Geld. Das ist das der Gemeinde. -

B: Welche gemeine? Seine Frau? Sooo gemein ist die jetzt auch wieder nicht.

A: Gemeinde! Mit D! Das ist das Geld von allen.

B: Was meines auch?

A: Sicher.

B: Woher haben die das?

A: Steuern. Du zahlst doch Steuern . . . oder?

B: Net gern. 

A: Ja, eh. Aber Du zahlst doch?

B: Wenn es sich nicht vermeiden lässt . . .

A: Und dieses Geld gibt dann der Bund, die Länder und die Gemeinden aus.

B: Für was?

A: Wofür, heißt das. Und das ist ja genau die Frage. Wo geht das Geld hin? Das will man jetzt durch das Transparenzpaket herausfinden. Um zu verhindern, dass es in dunklen Kanälen versickert.

B: Na, da bin ich dagegen. 

A: Wieso?

B: Ich brauch meinen Kanal. Und so dunkel ist der auch wieder nicht.

A: Bitte was?

B: Schau, letztes Jahr haben wir endlich einen Kanalanschluss beim Wochenendhaus bekommen. Das hat der Nachbar eingefädelt. Und zwar sehr günstig. Der ist ja auch Bürgermeister, der kennt alle. Und dann sind die gekommen und haben im Handumdrehen den Kanal gebaut.

A: Und? Was hat das gekostet?

B: Na nix. Der Nachbar hat gemeint, das zahlt die Gemeinde. Und obendrein bleibt’s in der Familie, weil die Firma, die das gemacht hat, gehört seinem Bruder.

A: Siehst du, und genau deshalb gibt es das Transparenzpaket. Damit diese Kanäle mal beleuchtet werden.

B: Aber nicht bei uns. Wir haben einen schweren Kanaldeckel.

A: Aber . . . 

B: Nix aber: Wer will schon sehen, wie da die ganze Kacke vorbeischwimmt. Also ich nicht.