Die Corona-Pandemie prägt nicht nur unsere Gesellschaft, sie regt auch dazu an, neue Wörter zu erfinden. Die Experten der Sprach-Lern-App "Babbel" stellen regelmäßig in einem Glossar die neuen Ausdrücke und Trendwörter aus aller Welt zusammen. Nachfolgend eine kleine Auswahl.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, wurden in allen Ländern die Menschen dazu angehalten, nicht in die Hände, sondern in die Armbeuge zu husten oder zu niesen. Diese Bewegung wird mit dem Vampir Graf Dracula assoziiert, der sich seinen Mantel vor das Gesicht zieht, um sich so vor der Sonne zu schützen. Deshalb wurde in den Vereinigten Staaten empfohlen, im sogenannten Dracula Style zu husten und zu niesen. Und jene, die sich weigern, Mundschutz oder Masken zu tragen, werden als maskhole bezeichnet, eine Zusammensetzung aus den Wörtern mask und asshole. Covidiot - im Deutschen und im Englischen - oder Covidiota - vor allem im Spanischen - ist eine Wortschöpfung, die aus Covid und Idiot/idiota zusammengesetzt ist. Sie steht für all jene, die das Virus nicht ernst genug nehmen, die Abstandsregeln nicht einhalten und sich leichtsinnig verhalten.

Im Wort Quarantäne steckt die Zahl 40, worauf ich vor einigen Wochen an dieser Stelle hingewiesen habe. Wer heute in Europa herumreist und die eigentlich geschlossenen Grenzen passiert, der muss sich allerdings bei der Heimkehr 14 Tage in Quarantäne begeben. Da passt also der Ausdruck nicht mehr. Die Franzosen haben eine Lösung gefunden: Statt Quarantäne - 40 Tage - wird in den Medien immer häufiger Quatorzaine - 14 Tage - benutzt.

Umgangssprachlich hat das Wort Quarantäne auch eine zweite Bedeutung erhalten: Gemeint waren die Ausgangsbeschränkungen während der Krise. Irgendwann habe ich per Mail eine herrliche Karikatur bekommen: Eine dicke Frau und ein dicker Mann stehen nachdenklich beisammen: "Schön, dass die Quarantäne bald vorbei ist - aber wie kommen wir da wieder hinaus?" Jeder ist nämlich inzwischen doppelt so dick, wie die Ausgangstür breit ist. Für diese Menschen, die wochenlang zuhause waren und wenig Ausgleich und Balance zwischen Nahrungsaufnahme und Bewegung fanden, entstand im Deutschen das Wort Corona-Speck. Und die Vorliebe für das Brotbacken, man denke an die Hefeknappheit in den Supermärkten, war nicht nur bei uns ein weit verbreitetes Phänomen. In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien entstand die Wortzusammensetzung quaranbaking.

Natürlich war die Corona-Krise auch für die Liebenden eine Herausforderung. Angesichts der Ausgangsbeschränkungen entschieden sich getrennt lebende Paare, zusammenzuziehen. Dies wurde als corona cuffing bezeichnet. To cuff bedeutet "Handschellen anlegen" - womit der Gedanke des zwangsweisen Beisammenseins mit Verzicht auf Fremdgehen durchklingt. Eigentlich war es eine Analogiebildung zu winter cuffing - in der kalten Jahreszeit werden die Menschen monogam, sie strawanzen nicht so viel herum. Die Urlauber in Ischgl waren eher die Ausnahme.

Die Wortschöpfungen zeigen uns nicht nur, wie wandelbar die Sprache ist, sie ist immer auch ein Spiegel der Zeit.