Ich fahre ein altes, verbeultes Cabrio - und komme mir darin vor wie weiland Inspektor Columbo in seinem Peugeot 403. Gut, eine Spur moderner ist das Modell MX-5 der Marke Mazda allemal. Aber die Serie NA, die ab 1989 gebaut wurde, kennt gerade einmal ABS als elektronischen Ausweis der Moderne, sonst gibt es keine komplexen Bauteile und Accessoires, die auf den Status quo der automobilen Fortbewegung schließen lassen würden. Nicht einmal elektrische Fensterheber, geschweige denn Spurhalte-Assistenten, Rückfahrkamera, Head-up-Display, Touchscreen oder Tempomat. Nun beschwören mich Kenner der Materie, dieses Auto - das längst zum Oldtimer gereift ist, wiewohl seine Karosserieform mehr Zukunft versprüht als die Barockengel der Gegenwart - ja nicht herzugeben. Warum? Weil es, meinen sie, kaum etwas gibt, das sich nicht mit Mechaniker-Basiswissen und etwas Sachverstand in Schuss halten oder wieder instandsetzen ließe. Autos, wie sie vor der Mitte der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts gebaut wurden, sind - so sie nicht schlicht wegrosten - praktisch unkaputtbar. Sie enthalten keine überbordende Bordelektronik, ihre Baupläne sind simpel und nachvollziehbar, sie übersteigen nicht den Intelligenzhaushalt ihres Lenkers und Besitzers. Und noch gibt es Benzin an der Tankstelle.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Die vermeintlichen Mängel an neumoderner Bequemlichkeit nimmt man gerne in Kauf. Und das "gerne" ist hier keine Floskel, zumindest in meinem Fall: Mich nerven all die Warnanzeigen, blinkenden LEDs und LCDs, aufploppenden Ermahnungen und lautstark trötenden Hinweise seit jeher. Mein Cabrio dreht nicht nach wenigen Sekunden durch, wenn ich auf einem Feldweg nicht sofort den Sicherheitsgurt anlege. Und kein Bordcomputer wird stante pede zum Erziehungsberechtigten, wenn ich absichtlich Schlangenlinien fahre. Eigenverantwortung, Baby!

Ich halte ja viele dieser sanft autoritären und gar nicht stummen Diener für kontraproduktiv. Sie nerven oft derart, dass sie mehr Konzentration rauben als zur Übersicht beitragen - insofern ist es wenig verwunderlich, dass viele Lenker die elektronischen Assistenten weitgehend aus- und abschalten. Sofern die sich abschalten lassen. Besser, sie fehlen gleich ganz.

Und: Je weniger Gimmicks so ein Fahrzeug besitzt, desto weniger kann kaputtwerden. Kurioserweise (oder absichtsvoll?) scheint das die Autoindustrie anders zu sehen - an Oberklasse-Mobilen wie dem Lexus ES oder dem Audi E-Tron Quattro oder brandneuen Modellen wie dem schnuckeligen Honda-E werden nun elektronische Rückspiegel verbaut. Sprich: Kameras und Monitore statt Spiegelglas. Designer und Techniker jubeln: mehr Aerodynamik, weniger Volumen, die Möglichkeit, Details ein- und auszublenden, eventuell sogar Augmented-Reality-Infos, die Eliminierung des toten Winkels. Freilich taten sich Testfahrer schwer beim ersten Kontrollblick: Das Auge fokussiert Spiegelbilder klarer und schneller als solche von einem Display, zumal im gleißenden Sonnenlicht bei mangelndem Kontrast.

Aufhalten lassen wird sich der E-Rückspiegel trotzdem nicht. Weil: Mode- und Distinktionsfetisch, so absehbar wie üblich. Wenn aber, aus welchen Gründen immer, der Strom fehlt, sehe ich doch schwarz.