Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald
Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald

Wenn Trendforscher eine neue Studie veröffentlichen, dann heißt es "aufgepasst": Das Interessante dabei ist nicht so sehr, wohin die Reise angeblich geht, sondern welche der nun ausgerufenen Trends bereits früher aufpoppten und was aus ihnen wurde.

Unlängst verriet eine deutsche Untersuchung, welche Folgen das Coronavirus auf unser künftiges Einkaufsverhalten hat: Wir verspüren aufgrund der jüngst durchlebten Isolation ein Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Nähe, im vorliegenden Fall nach "Social Shopping" - unterstützt durch eine App oder, ganz herkömmlich, durch Freunde. Weiters werden Konsumenten speziell in Kleidungsfragen nun viel mehr auf langlebige Produkte setzen, die unter nachhaltigen Gesichtspunkten und mit sozialer Verantwortung produziert wurden. Darüber hinaus müsste, so der Rat an die Unternehmer, der Einkauf zum Erlebnis werden.

Jetzt sollte man es natürlich nicht bei dem besserwisserischen Spruch "alles schon mal dagewesen" bewenden lassen, aber zuweilen drängt er sich geradezu auf. Der Ruf nach dem Erlebnis - sei es im Geschäft, im Restaurant oder in den Ferien - erscholl zum ersten Mal vor rund einem Vierteljahrhundert und hat bis heute überlebt. Die Erlebnis-Gastronomie etwa oder der Erlebnis-Urlaub können dies bezeugen. Heute findet das "Event" eben digital statt, etwa Video-unterstützt. Gemeinsam Kleider einzukaufen, war für viele Frauen, ob jung, ob alt, schon immer ein Spaß. Männer haben es ja nicht so mit dem Shoppen, und die Bohrmaschine sucht "mann" im Baumarkt doch eher alleine aus.

Schließlich die Nachhaltigkeit und die Langlebigkeit. Die T-Shirts sollen schon lange nicht mehr auf anderen Kontinenten unter unmenschlichen Bedingungen produziert, die Umwelt dort nicht versaut und die Handelswege kürzer werden. Aber so ein T-Shirt, das sozial anständig, umweltbewusst und möglichst in der Nähe des Konsumenten hergestellt wird, hat seinen Preis und stößt auch nicht bei allen Händlern auf Gegenliebe, wie mir unlängst klar wurde. Es war vor mehr als vierzig Jahren, als ich anlässlich eines Bretagne-Urlaubs zu einem blau-weiß gestreiften Leiberl kam, das ich viele Sommer hindurch trug, bis es mir zu klein geworden war. Dann verbrachte das gute Stück, von dem ich mich nicht trennen wollte, etwa zwei Jahrzehnte in diversen Kästen, bis schließlich meine Tochter so groß war, dass es ihr passte. Sie trägt es heute noch, es hat kein einziges Loch. Als ich das einer Modehändlerin erzählte, erklärte sie mir rundheraus: "Würde ich nie führen - das hält ja viel zu lange."

Was nun, wenn etliche Menschen während des Lockdowns auf die Idee gekommen sind, dass sie sich das gewohnte Shopping - mit und ohne Erlebnisanteil - hin und wieder sparen können? Vor allem, wenn nun viel mehr Leute viel weniger Geld zur Verfügung haben. Ich weiß: ein ketzerischer, weil wirtschaftsfeindlicher Gedanke. Aber vielleicht der nächste Trend..