Wien wird also alkoholfrei. Nein, eh nicht. Es wird höchstens ein bissl promillereduziert. Jeder Haushalt hat jetzt jedenfalls vom Bürgermeister höchstpersönlich seine eigene kleine, alkoholfreie Zone zugeschickt bekommen. Die ist zwar echt winzig, bloß 21,1 mal 9,9 Zentimeter groß, aber immerhin 25 Euro wert. Oder gar 50 Euro, kommt darauf an, ob sie bei einem Single- oder einem Mehr-Personen-Haushalt im Postkastl gelandet ist. Genau: Hurra, hurra, der Gastro-Gutschein ist da!

Okay, das finden offenbar nicht alle, das mit dem Hurra. Vielleicht liegt’s am Kleingedruckten: "Der Gutschein ist nur für Speisen und anti-alkoholische Getränke einlösbar." Besonders an dem Teil mit den anti-alkoholischen Getränken. (Was? Die heimischen Winzer müssen ihren überschüssigen Wein schon zu Desinfektionsmittel verarbeiten und ich soll derweil Saft trinken? Oder Cola und damit einen US-Konzern unterstützen?) Die Ersten verscherbeln ihre Gutscheine bereits auf Willhaben, weil sie sie selber eben NICHT haben wollen, sondern sich anscheinend lieber um 30 Euro ansaufen, als sich um 50 Euro anzupampfen und dabei nüchtern bleiben zu müssen. Dafür können andere nicht genug vom "Schnitzel-Fünfziger" kriegen (gilt der für vegetarische Gerichte ebenfalls?) und brechen sogar Briefkästen auf. Die haben entweder einen Welthunger oder . . . ein Willhaben-Konto.

Ich hätte eine Frage: Mein Babyelefant hat meinen Gastro-Gutschein gefressen, kann ich einen neuen haben? Blödsinn. Die Frage lautet natürlich: Steht da nicht meine Adresse drauf? Kontrolliert der Kellner/die Kellnerin folglich doch nicht den Meldezettel? Nein? Gut. Meinen hab ich sowieso verschmissen. He, wenn der Gutschein übertragbar ist, könnte man ihn ja einfach dem nächsten Bettler zustecken und DER rettet nachher die Gastronomie. (Aber nicht vergessen, ihm auch noch ein paar Euro in bar zu geben. Fürs Trinkgeld. Das ist nämlich nicht inkludiert.) Könnte man, ja. Mach ich trotzdem nicht. Erstens gehört der Gutschein zur Hälfte meiner Schwester (zum Glück also kein 25-Euro-Gutschein, weil was würde der über mich aussagen: Die lebt allein und das ist ihre Adresse!) und zweitens: Heldentaten KANN man nicht delegieren. Ich geh schließlich nicht meinetwegen essen, sondern lediglich wegen der armen Wirte. Dass das Trinkgeld nicht inbegriffen ist, ist allerdings logisch. Sonst kauft sich der Kellner/die Kellnerin womöglich irgendeinen Alk davon und man hätte erst recht wieder das Tschecherantentum der Bevölkerung mit Steuergeld mitfinanziert. Ist ein Trinkgeld beim Einlösen dann ÜBERHAUPT erlaubt? Andererseits, wenn ich KEINES gebe: Die Servierperson weiß, wo ich wohne, hallo? Ach, man darf die Adresse schwärzen? Und der Gutschein bleibt gültig? Darf ich sie auch mit der Schere ausschneiden? (Sicher ist sicher. Datenschutz und so.)

Keinen Alkohol, hm. Nicht einmal diesen homöopathischen Wein? (Einen G’spritzten.) Und was ist mit einem Apfelstrudel? In dem ist Rum drin, oder? Obwohl, nirgends steht was von anti-alkoholischem ESSEN. Nun denn: Herr Ober, ich hätte mein Vierterl Rot gern in einem Suppenteller. Und einen Löffel dazu, bitte.