Das wird hart für dieses deutsche Bundesland. Nord-Rhein-Westfahlen. Die Toskana am Niederrhein, die Sahelzone des kleinen Mannes oder das Mikronesien für Makro-Ökonomen - das sind nur einige Begriffe, die vielen Menschen zu Rhord-Nein-Westphahlen niemals einfallen würden.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor und Gründungsmitglied der "Letzten Wiener Lesebühne".

Und jetzt hat die österreichische Bundesregierung auch noch eine Reisewarnung ausgesprochen: für Nord-Rhein-Festwalen.

Dabei ist es doch seit Jahren bekannt, dass acht Millionen Österreicher - sobald die Sonne ihre ersten, zarten Strahlen sendet - sich sofort an Ruhr und Rhein begeben.

Salzburger entfliehen voller Enthusiasmus ihrem grotesk-barocken, katholischen Gefängnis, um sich endlich einmal der kontemplativen Betrachtung von Lärmschutzwänden bei Bochum zu widmen. Kärntner fahren aus diesem tragisch engen Land voller Seen und Berge, Kaasnocken und Zirbengeist nach Mönchengladbach. Denn nirgendwo schmeckt das Billig-Bier aus dem Kiosk besser als in dieser Fußgängerzone aus Spritzbeton. Oder wie es das alte Kärntnerlied es formuliert: "I woas es gibt oa Lebn donach - und des is natürli in Mönchen-Gladbach."

Und wie oft hat man nicht schon Busse voller Marchfelderinnen und Marchfelder gesehen, die an den Niederrhein düsen. Denn dort - kaum sind sie ausgestiegen - können sie ihr Glück gar nicht fassen: "Heast, Gerti, schau! Des is a Wahnsinn! Es gibt tatsächlich a Landschaft, die wos no fader ist als die unsrige." - "Da hast recht, Gustl! Und schau amal da: a Atomkraftwerk!"

Und natürlich treibt es die Bregenzerinnen und Bregenzer jährlich aufgrund eines tief in ihnen innewohnenden, biologischen Triebs nach: Duisburg.

So wie die Störche jedes Jahr ins Burgenland kommen, können auch die Xi-Berger nicht anders. Sie müssen einfach diese faszinierende Ruinenlandschaft voller abgewohnter Wohnblocks, sozialer Brennpunkte und verlassener Industrieanlagen mit angehaltenem Atem bestaunen. Wahrscheinlich, um sich paaren zu können. Duisburg - oder wie es in Vorarlberg heißt - das "Pompei am Rhein".

Und auch die Grazer Alternativ-Szene rettet sich regelmäßig vor Käferbohnensalat, Kürbiscremesuppe, gebratenen Forellen und anderen Erscheinungen der kulinarischen Dekadenz an die Gestade des Essener Hauptbahnhofs. Denn dort kann man sich endlich wieder freshes, original urbanes Streetfood holen: Currywurst. Zu Tode gebraten, mit Geschmacksverstärkern beerdigt und einer Scheißlaune serviert. Das ist real Input, Habschi.

Und bekanntlich lässt auch jeder Wiener Italien nur allzu gerne links liegen, wenn er endlich in die Stadt seiner Träume fahren darf: Köln. Hier kriegt er, was er zuhause vermisst: grundlose, penetrante, gute Laune; eine Innenstadt, die aussieht, als hätte ein sehr untalentiertes Kind eine Kiste graues Duplo umgekippt; und einen gotischen Dom mit zwei(!) fertiggebauten(!!) Türmen.

Leider kommt es deshalb jährlich auch zu tragischen Szenen: Immer wieder springen Simmeringer von dem freundlichen Umgangston und den viel zu kleinen Biergläsern in den Rhein.

Aber damit ist Schluss: Reisewarnung.

"Schatz, wir dürfen heuer nicht nach Ford-Nein-Restwahlen" - "Schade! Aber dafür fahren wir endlich mal nach Wiener Neustadt."