Klartext gefällig? "Es ist idiotisch, aber es ist so." Also sprach Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwirtschafts-Professor und einer der bekanntesten Branchenexperten im deutschsprachigen Raum, in einem "Kurier"-Interview. Die Frage lautete: Stimmt der Eindruck, dass die Autos immer größer werden? In der Tat. "Es ist eine Art Lemmingeffekt." Auch nach Corona würde, das hätten alle Krisen bisher bewiesen, das Gros der Fahrzeuge wieder nur voluminöser, schwerer und stärker werden. Man müsse dazu nur nach China blicken: Kleinautos sind dort absolut nicht in Mode. Und werden es auch in absehbarer Zukunft nicht sein, außer Xi Jinping verkündet eine neue Staatsdoktrin.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Aber jeder Trend hat einen Gegentrend. Und vielleicht leitet ja die E-Mobility-Förderung der Bundesregierung, die gerade in Kraft getreten ist, zumindest hierzulande eine neue Ära ein. Man erhält erkleckliche Zuschüsse für Elektro-Mofas, Plug-in-Hybride oder Ladeinfrastruktur, am fettesten fallen aber - und das wird wiederum stromabstinente Pedaltreter ganz fuchsig machen - die Förderungen für reine Elektroautos aus. Bis zu 5000 Euro. Wobei: Der Bruttolistenpreis für das Basismodell darf die zehnfache Summe dieses Betrags nicht übersteigen. Damit sind viele Luxus-SUVs mit Steckdosenanschluss aus dem Rennen.

Gut so. Das Killer-Kriterium für die Kfz-Industrie ("Die deutschen Autokonzerne", so Dudenhöffer, "kämpfen für ihr Geschäft, für die Autos, für freie Geschwindigkeit wie die Amerikaner für ihr Waffenrecht") sollte nicht aus einer stupenden Instinkt- und Intelligenzlosigkeit erwachsen. Freilich kann man mit kleinen, leichten, smarten Elektrowägelchen nicht mehr so viel verdienen wie in der goldenen Ära des Verbrennungsmotors — aber sie sind, zumindest in der Stadt und, solange man Individualverkehr nicht exklusiv dem Fahrrad zudenkt, für bequemere Naturen die Zukunftshoffnung schlechthin. Und, jede Wette: Wer etwa dieser Tage das Klimaschutz-Volksbegehren unterschrieben hat, fällt nicht automatisch aus der Zielgruppe. Voneinander lernen, möchte man den Hardlinern da wie dort zurufen. Es könnte, bei aller Schmerzhaftigkeit für Dickschädel, ein lustvoller Prozess sein.

Wie viel Spaß cleveres Down-

sizing bereitet, lässt sich für Miniaturfahrzeugenthusiasten demnächst in Vösendorf bei Wien begutachten. Und zwar im Technikzentrum des Dorotheums. Dort kommt die "Sammlung RRR - Roller Rollermobile Raritäten" zur Versteigerung (der Katalog findet sich leicht im Internet). Und, ja, bei all den wunderlichen Maicomobilen, frühen Lambrettas, Isettas und Messerschmitt-Rollern, Bond Minicars, Kleinschnittger- und Victoria-Spielzeugautos für Erwachsene, nicht zu vergessen die futuristische Heinkel Perle von 1957 oder Bob Sinclairs Urban Cowboy-Dreirad C5, geht einem das Herz auf. Was hatte man einst für Ideen! Lust sollte, meine ich, auch die Triebfeder für die Entwicklungen der Zukunft (und, noch notwendiger, der Gegenwart) sein.

Dass ein Goggomobil 2.0 nicht mehr nach Benzin duften wird, versteht sich von selbst.