Man hat ja jetzt viel Zeit, um aus dem Fenster zu schauen. Zumindest, wenn man die Bedrohungen da draußen ernst nimmt und nur rausgeht, wenn’s unbedingt sein muss. Bedrohung-en? Plural? Na ja, erstens die zweite Welle, und außerdem haben sie sich in China schon ein Virus für die NÄCHSTE Pandemie ausgesucht, das G4-Virus, das eine neuartige Schweinegrippe auslöst, was mich vielleicht nicht sonderlich beunruhigen sollte, schließlich bin ich eine Frau und dürfte deshalb immun sein, weil doch die Ärzte, also nicht irgendwelche Ärzte, sondern "die" Ärzte, behaupten: "Männer sind Schweine" (Männer, wohlgemerkt), aber Ärzte haben halt auch nicht immer recht. (Was? "Die Ärzte" SIND gar keine richtigen Mediziner? Das ist eine Punkband?)

Jedenfalls haben Arbeiter auf der anderen Straßenseite ein Beet angelegt. Aha, die pflanzen einen Baum, alles klar. Und ich hab nicht weiter drauf geachtet. Am Ende hat der Baum allerdings nicht wie einer ausgesehen. Mehr wie ein Werk von Christo, denn die hatten noch dazu einen weißen Sack drübergestülpt. Die machen’s aber echt spannend, hab ich gedacht. Hm, das war entweder etwas fürs Klima oder was gegen den Terror. Ein Poller? Eher nicht. Einer für die ganze Gasse, hallo? (Andererseits, wenn man von ein paar mickrigen Bäumchen am Straßenrand verlangt, dass sie den Klimawandel aufhalten . . .) Dann eventuell ein Klimagerät, weil die Bäume eben doch zu langsam wachsen? Ein Luftreiniger? (Feinstaub und so.) Eine Vorrichtung zur Reduktion der Umweltverschmutzung? (Ein Mistkübel.) Ein Radarkastl? Oder irgendein Denkmal? Für den unbekannten verdursteten Straßenbaum, zum Beispiel? Einen Baum wollte ich trotzdem nicht von vornherein ausschließen. Weil wenn es mittlerweile Windräder ohne Rotoren gab, warum nicht auch Bäume ohne Äste? Mit meinen Blicken förmlich ausgezogen hab ich dieses mysteriöse USO, dieses unidentifizierte Stehobjekt. Okay, USO ist eigentlich die Abkürzung für "Unidentified Submarine Object" (nicht identifiziertes unterseeisches Objekt), aber Wien, bitte, liegt mindestens 151 Meter ÜBER dem Meeresspiegel.

Wenig später war das USO plötzlich enthüllt. Einfach so. Ohne Bürgermeister, ohne Verkehrsstadträtin (nehmen die ihren Job überhaupt ernst?) und ohne Blaskapelle. Und noch immer war’s ein USO. Wozu war diese schlanke "Metalldose" bloß gut? Auf jeden Fall musste sie schädliche Auswirkungen auf parkende Fahrzeuge haben, sonst hätte man rechts und links von ihr wohl kaum Halteverbotsschilder aufgestellt, oder? Die Autos mussten nicht lediglich einen Babyelefanten Abstand zu ihr halten, sondern gleich einen ausgewachsenen Parkplatz. Irgendwann hab ich’s nimmer ausgehalten und bin rübergelaufen. Ein Passant hat mir zugeraunzt: "Do hom sie sich wieder an Scheiß einfoin lossn, die Grünen." Oh, eine Ladestation für Elektro-Autos (die waren vom Halteverbot ausgenommen). Ich war ein bissl enttäuscht. He, oder ist das doch ein Denkmal? Eins für die E-Mobilität? Getankt hat da nämlich noch niemand. Dafür hat ein Hund sein Bein gehoben (ui!) und - eh keinen Stromschlag gekriegt. (Man hat ja jetzt viel Zeit, um aus dem Fenster zu schauen.)