Ich hatte einmal auf einem Flug von London nach Wien einen Sitznachbarn, einen erwachsenen Menschen wohlgemerkt, der hatte die ganze Zeit über einen Teddybären am Schoß sitzen, mit dem er sich unterhielt. Beim Landeanflug in Wien streichelte er sanft über die Pfote seines Bären und meinte, das sei schon okay so, reine Routine für den Piloten, muss keiner Angst haben, dass jetzt gleich was passiert. Der Mann sprach mit leiser und konzentrierter Stimme auf den Bären ein, während ich die Ohren spitzte wie Mister Spock. Ich hatte auf eine Antwort des Bären gehofft. Aber da kam nichts. Was ich schade fand. Irgendwie.
Dem Mann schien es nicht zu stören, dass sein Bär stumm geblieben ist. Vielleicht dacht er auch, der hat einfach zu viel Flugangst um zu reden. Womöglich brachte der Bär kein Wort raus, weil er mich nicht kannte. Eine Unterhaltung mit einem Teddybären macht einfach keinen Sinn, dachte ich damals. Im Grunde denke ich das heute noch. Dafür aber habe ich gelernt, dass Pflanzen wunderbare Gesprächspartner sind. Wunderbare Gesprächspartner und unglaublich aufmerksame Zuhörer.
Ohne die vielen philosophischen Gespräche im Garten wäre ich nie so gesund durch die Krise gekommen. Besonders mit Hortensien kann man sich gut unterhalten. Rosen gehen auch. Obwohl, wirklich zurückreden tut weder die Rose noch die Hortensie. Die bleiben stumm, während ich plaudere und ihnen was zum Trinken gebe. Das fasziniert mich. Die Rosen und die Hortensien sind das genaue Gegenteil von mir. Ich bleibe nie stumm, wenn wer plaudert und mir dabei was zu Trinken gibt.
So wurde mein Garten zu einer Art Gasthaus fürs Grünzeug. Die Schnecken spielen die, die gleich Lokalverbot kriegen, die Schmetterlinge sind das Servierpersonal und ich bin der Wirt. Meine Frau meint, dass man an mir sehr gut sehen kann, dass der Lockdown nicht unbedingt gut für die Leber war. Derlei Sticheleien lassen mich kalt. Gestern habe ich mich bei einer Distel entschuldigt, weil ich sie umschneiden musste. Und dem Lavendel gleich daneben habe ich gesagt, dass er nicht so ängstlich schauen soll, ihm passiert schon nichts. Eben, sagt meine Frau, eben. Allmählich macht sie sich Sorgen um mich. Das Gemüse dagegen findet, ich bin voll in Ordnung.